THE LANCET 20.11.09
 

Sollte Ann Veneman eine weitere Amtszeit an der Spitze von Unicef stehen?
Die Meinungen sind geteilt, ob die derzeitige Direktorin von Unicef, Ann Veneman, eine zweite Amtszeit antreten oder durch einen neuen Kandidaten ersetzt werden sollte, der wahrscheinlich, wie üblich, vom US-Präsidenten nominiert werden würde. In einem Kommentar untersucht Lancet-Chefredakteur Dr. Richard Horton die Hintergründe, warum Veneman bei manchen Beobachtern so beliebt und bei anderen weniger gern gesehen ist.

Selbst die Meinung von The Lancet ist geteilt: Auf der einen Seite rechnet es das Magazin Veneman hoch an, das Thema Kindersterblichkeit 2003 nach Erscheinen der ersten Lancet-Serie dazu wieder aktiv anzugehen. Dr. Horton fügt jedoch hinzu: "Wir waren unangenehm berührt, dass Unicef sich irritiert und verärgert zeigte, als das Institute for Health Metrics and Evaluation in The Lancet technische Analysen zu Kindersterblichkeit und leistungsabhängiger Finanzierung veröffentlichte. Unicef betrachtete dies als unerwünschte Konkurrenz."

In Vorbereitung seines Kommentars, holte Dr. Horton auch Meinungen von Unicef selbst ein. Auch diese Ansichten waren gemischt. Einerseits wurde auch hier Veneman positiv bescheinigt, dass sie das Thema Kindersterblichkeit priorisiert hat - in Budgetfragen, Arbeitszeit, Öffentlichkeitsarbeit, der Stärkung technischer Arbeitsgruppen und der Stärkung nationaler Logistiken. Venemans Unterstützer heben außerdem die Zunahme in der Verbreitung insektizidbehandelter Moskitonetze hervor, die Fortschritte in der Bekämpfung der Masernsterblichkeit und der Eliminierung von mütterlicher und Neugeborenen-Tetanus sowie Fortschritte in der Malariabehandlung, antiretroviraler Therapie und dem Zugriff auf neue Impfstoffe und außerdem den "bedeutenden Schub" im Kampf gegen Unterernährung.

Kritik aus den eigenen Reihen umfasst ihre geringe Würdigung von Feld-, institutioneller und Führungserfahrung bei Unicef. Die Erfolge bei Moskitonetzen, Malariabehandlung oder der Verringerung der HIV-Übertragung von Mutter zu Kind waren nicht allein ihr Verdienst. Die Programme begannen vor ihrer Amtszeit. Sie führte deren Arbeit fort, ohne sie jedoch groß zur Sprache zu bringen oder das Engagement von Unicef zu verstärken. Andere beklagten ihren Mangel an Erfahrung in diesem Gebiet, was dazu führte, dass sie nach Amtsantritt eine zu lange Einarbeitungszeit brauchte. Sie bescheinigten ihr auch mangelhafte Fähigkeiten in diplomatischen Angelegenheiten und bei öffentlichen Auftritten.

Andere UN-Einrichtungen und die Weltbank offenbarten ebenfalls ein Mixtur an Meinungen. Venemans großes Interesse an reproduktiver Gesundheit, geschlechtsspezifischer Gewalt und Wasserver- und -entsorgung wurden gelobt, doch ihr Engagement im Bereich Ernährung wurde von mehreren Kontakten aus verschiedenen UN-Einrichtungen als Fehlschlag eingestuft. Der akademische Sektor, Vertreter aus Geberländern und Nichtregierungsorganisationen hatten ähnliche geteilte Ansichten.

Ein langjähriger loyaler Unicef-Mitarbeiter sagte The Lancet: "Unicef würde mehr von einem engagierteren Direktor profitieren - und hätte ihn auch verdient -, der im Interesse der Organisation jederzeit und überall hin reisen würde. Jemand, der die Geschichte der Organisation und die Stärke ihrer Mitglieder versteht und anerkennt, jemand der aus dem Herzen und aus persönlicher Erfahrung spricht. Die früheren und jetzigen Mitarbeiter von Unicef möchten eine Führung, auf die oder den sie stolz sein können angesichts ihrer oder seiner Hingabe und Leistungen für Kinder. Die Obama-Regierung hat die Chance, jemanden zu nominieren, der dieselben Visionen teilt, die Präsident Obama den Friedensnobelpreis einbrachten. Diese Gelegenheit sollte sie nicht verpassen."

Dr. Horton schließt: "Der Direktor von Unicef ist eine wichtige globale Führungspersönlichkeit im Bereich Gesundheit. Die Ernennung der Person sollte nicht unter der Hoheit einer mächtigen Regierung stehen. Stattdessen sollte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon verkünden, dass der nächste Direktor von Unicef in einem transparenten, leistungsbezogenen Verfahren benannt wird. Er oder sie sollte eine Persönlichkeit sein, die nachgewiesenermaßen Erfahrung in Kinderangelegenheiten hat, zu denen auch die Kindergesundheit zählt. Er oder sie sollte ein Persönlichkeit sein, die das Vertrauen von Nationen, politischen Führern und technischen Mitarbeitern gewinnt und rechtfertigt. Diese Person sollte außerdem jemand sein, der Führungseigenschaften und Kommunikationsfähigkeit beweist. Unicef ist als Einrichtung zu wichtig, um sie dem unwägbaren Geschehen nationaler politischer Interessen der USA zu überlassen. Solche Ernennungsverfahren untergraben nur die Integrität der Vereinten Nationen. Es ist an der Zeit, diese Erosion zu stoppen."

Quelle: R Horton. Ann Veneman: a second term at UNICEF?. Lancet 2009; 374: 1733

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