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Übersicht
Bedarfsgerechtes Röntgen künstlich beatmeter Patienten verringert Belastungen und Kosten Die gegenwärtigen Richtlinien empfehlen routinemäßig täglich eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs bei künstlich beatmeten Patienten auf Intensivstationen anzufertigen. Ein aktueller vorab "Online First" veröffentlichter Artikel zeigt jedoch, dass bedarfsgerechtes Röntgen in Abhängigkeit des klinischen Status des Patienten ein Drittel weniger durchgeführte Aufnahmen zur Folge hat, ohne dabei Sicherheit und Fürsorge des Patienten zu gefährden. Der Artikel wurde von Dr. Gilles Hejblum vom Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale in Paris und Kollegen verfasst. In dieser randomisierten Studie wurde 21 Intensivstationen in 18 Krankenhäusern innerhalb der ersten von zwei Behandlungsperioden entweder eine routinemäßige oder eine bedarfsgerechte Strategie bezüglich der Brustkorbradiografie zugeordnet. In der zweiten Periode wechselten die Stationen dann zur jeweils alternativen Strategie über. Jede Behandlungsperiode dauerte vom Zeitpunkt der Registrierung bis über die Beobachtung von 20 aufeinanderfolgenden Patienten in jeder Intensivstation an. Die Patienten wurden bis zur Verlegung aus der Intensivstatione oder aber für die Dauer von bis zu 30 Tagen unter künstlicher Beatmung beobachtet, je nachdem was sich zuerst ergab. Die Intensivstationen nahmen 967 Patienten auf, 118 wurden jedoch aus der Studie ausgeschlossen, da sie nur für die Dauer von weniger als 2 Tagen künstlich beatmet werden mussten. Primärer Ergebnisparameter war die mittlere Anzahl der Röntgenaufnahmen des Brustkorbs pro Patiententag mit künstlicher Beatmung. Das Forscherteam stellte fest, dass bei 424 Patienten 4607 routinemäßige (Mittelwert pro Patiententag künstlicher Beatmung = 1,09), und bei 425 Patienten 3148 bedarfsgerechte (Mittelwert = 0,75) Röntengenaufnahmen durchgeführt wurden, was einer Verringerung von 32 Prozent in der bedarfsgerechten Strategie gleichkommt. Wichtig hierbei ist, dass bezüglich jeglicher sekundärer Ergebnisparameter keine Änderungen zwischen der routinemäßigen und der bedarfsgerechten Strategie festgehalten wurden. Dies gilt für Dauer der künstlichen Beatmung, Dauer des Aufenthalts in der Intensivstation oder auch Sterblichkeit. Die Autoren warnen jedoch, dass nicht nur die Anzahl der Radiografien zu berücksichtigen wären. Sie stellen fest: "Die Meinungen des medizinischen Personals, das an der Studie zu routinemäßiger gegenüber bedarfsgerechter Strategie teilnahm, wurden nicht festgehalten, weder davor, während, noch nach der Studie. Diese Information ist potenziell wichtig, da beispielsweise die Arbeitsbelastung der Ärzte durch individuelle Bewertungen jedes Patienten am frühen Morgen und die Entscheidung erhöht wird, ob eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs notwendig ist, statt die systematische Radiografie aller künstlich beatmeter Patienten anzuordnen. Solche Überlegungen könnten die Einführung der bedarfsgerechten Strategie in die tägliche Praxis einschränken." Die Autoren folgern allerdings: "Die Ergebnisse unserer Studie unterstützen deutlich, der Einführung der bedarfsgerechten Strategie gegenüber der routinemäßigen Strategie Vorrang zu geben, um damit die Zahl der Brustkorbradiografien bei künstlich beatmeten erwachsenen Patienten zu verringern, ohne die Patientensicherheit zu schmälern. Mit Blick auf die große Zahl künstlich beatmeter Patienten können diese Ergebnisse der klinischen Praxis erheblichen Nutzen bringen." In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. Mark D. Siegel und Dr Ami N. Rubinowitz von der Yale School of Medicine im US-amerikanischen New Haven: "Hejblum und Kollegen liefern überzeugende Hinweise, dass die tägliche routinemäßige Röntgenaufnahme des Brustkorbs bei den meisten intubierten, künstlich beatmeten Patienten unnötig ist, und dass dies, vorbehaltlich Studien zu klinischen Indikationen, durch einen bedarfsgerechten Ansatz sicher ersetzt werden kann. Ob eine bedarfsgerechte Strategie bei den einzelnen Intensivstationen angemessen ist, muss vor Ort entschieden werden. Unserer Ansicht nach sollte eine bedarfsgerechte Strategie nur dann eingeführt werden, wenn geschulte Ärzte zur Verfügung stehen, um rasch jene Patienten zu identifizieren, die eine Brustkorbradiografie benötigen; wenn Aufnahmen effizient hergestellt und interpretiert werden können; wenn auf Abweichungen ganztägig eingegangen werden kann. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, erscheint eine bedarfsgerechte Strategie gerechtfertigt und kann zu Kostensenkungen, reduzierter Strahlungsbelastung sowie zu einem größeren diagnostischen und therapeutischen Gewinn aus der Radiografie führen." Quelle: Gilles Hejblum, Ludivine Chalumeau-Lemoine, Vincent Ioos, Pierre-Yves Boëlle, Laurence Salomon, Tabassome Simon, Jean-François Vibert, Bertrand Guidet. Comparison of routine and on-demand prescription of chest radiographs in mechanically ventilated adults: a multicentre, cluster-randomised, two-period crossover study. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)61459-8 http://www.thelancet.com |
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