30.10.09
Die weltweite Unterernährung ist eine Epidemie und verlangt nach sofortigem Handeln
Der aktuelle Leitartikel fordert Maßnahmen gegenüber einer Epidemie, die weit ernster ist als das H1N1-Virus. Die Hungerkrise bedeutet, dass gegenwärtig ein Sechstel der Weltbevölkerung unterernährt ist. Der Leitartikel stellt fest: "Es steht eine Menge auf dem Spiel, wenn sich die Delegierten in zwei Wochen auf dem FAO-Gipfel zu Nahrungssicherheit in Rom treffen. Trotz der Zusagen zweier vorangegangener Gipfel, dem G8 und dem G20, einer Fülle neuer Initiativen und steigender Investitionen in innovative Technologien sterben weiterhin weltweit Menschen, da sie nicht genug Nahrung haben."
Bis heute gelten über eine Milliarde Menschen, zumeist in Asien und Afrika als unterernährt, somit der für viele Jahrzehnte größte Anteil der Weltbevölkerung. Spendenmittel an das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (UN) sind auf ein Rekordminimum gesunken. Das Programm ist mit der Auflage versehen worden, dass es sicherstellt, dass die Menschen ausreichend Nahrung zum Überleben haben sollten. Die Preise sinken zwar wieder von ihren Rekordhöhen Mitte des Jahres 2008, dennoch bleiben Nahrungsmittel teuer. Um überleben zu können, müssen ärmere Familien Kompromisse eingehen, beispielsweise, indem sie auf Gesundheitsfürsorge verzichten oder schlichtweg weniger essen. Auf Grund der gleichzeitigen wirtschaftlichen Krise gibt es nur wenige nationale Netze zur Nahrungssicherheit, wie Programme zur Schulspeisung.
Der Leitartikel stellt fest: "Es ist schwierig, sich eine andere Situation vorzustellen, die gegenwärtig mehr als ein Sechstel der Weltbevölkerung beeinträchtigt. Eine, die durch reichlich vorhandene Hinweise auf negative gesundheitliche Spätfolgen gekennzeichnet ist, und die durch einfache Maßnahmen - nämlich Nahrung - behoben werden könnte, und bei der Vorbeugung elementar ist - ausreichend Nahrung muss verzehrt werden (bevorzugt unverarbeitete Kost, die vor Ort gekocht und zubereitet werden kann). Wäre die Unterernährung eine Krankheit wie H1N1, und wären unverarbeitete Lebensmittel Medikamente oder Impfstoffe, dann genössen beide die volle Aufmerksamkeit der gesamten internationalen Gemeinschaft."
Der Leitartikel fügt hinzu: "Das gegenwärtige nicht funktionierende weltweite Ernährungssystem muss dringend erneuert werden, doch die internationale Gemeinschaft bleibt zögerlich, diese Herausforderung anzunehmen. Die Welt produziert gegenwärtig genügend Lebensmittel, um die gesamte Weltbevölkerung ernähren zu können. Die Menschen leiden Hunger, da die gerechte globale Verteilung von Nahrung jenseits der Fähigkeiten der internationalen Gemeinschaft zu liegen scheint. Mit den zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels allerdings kann sich kein Land mehr selbstgefällig geben. Die zeitnahe Einführung eines gerechten und zuverlässigen weltweiten Nahrungsversorgungs- und Verteilungssystems wird allen Ländern wesentlichen zukünftigen Nutzen bringen."
Die Schlussfolgerung des Leitartikels lautet: "Es wurde genug geredet und es gab genug inhaltslose Entschuldigungen. Die internationale Gemeinschaft kann und muss jetzt handeln, um sicherzustellen, dass ein Sechstel der Weltbevölkerung die Behandlung erfährt, die sie benötigt, nämlich nahrhafte Kost."
Quelle: Editorial. The undernutrition epidemic: an urgent health priority. Lancet 2009; 374: 1473
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