THE LANCET 23.10.09
 

Liraglutid verringert Gewicht und Risikofaktoren bei Fettleibigen ohne Diabetes
Das Antidiabetikum Liraglutid hilft bei fettleibigen Personen ohne Diabetes, das Gewicht zu verringern und die Häufigkeit von Risikofaktoren zu mindern. Dies sind die Folgerungen eines aktuellen vorab 'Online First' veröffentlichten Artikels, verfasst von Professor Arne Astrup vom Department of Human Nutrition an der University of Copenhagen sowie Kollegen.

Im Verlauf der vergangenen 20 Jahre hat die sich Rate der Fettleibigkeit um das Dreifache gesteigert, und liegt nun in einigen europäischen Ländern bei mehr als 30 Prozent. Etwa 50 Prozent der Erwachsenen in Europa muss als übergewichtig eingestuft werden. Fettleibigkeit steigert die Risiken für Bluthochdruck, Diabetes und Atherosklerose, allesamt Risikofaktoren der weltweit häufigsten Ursache aller Todesfälle, der Herz-Kreislauf-Erkrankung. Hinzu kommt, dass Fettleibigkeit mit einer Verringerung der Lebensqualität verknüpft ist. Gegenwärtig sind nur wenige sichere und wirksame Medikamente zur Behandlung der Fettleibigkeit verfügbar. Daher sind alternative Ansätze notwendig, den Gewichtsverlust sicher und gut verträglich zu erreichen. Außerdem müssen diese Alternativen auch die mit der Fettleibigkeit verbundenen Risiken senken können. In dieser randomisierten kontrollierten Studie untersuchten die Autoren den Effekt des Liraglutids auf Körpergewicht und Verträglichkeit bei fettleibigen Personen ohne Typ-2-Diabetes.

Die Studie wurde in 19 europäischen Orten durchgeführt, und analysierte 564 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren mit einem Body Mass Index (BMI) von 30 bis 40 Kilogramm pro Quadratmeter Körperoberfläche. Alle Personen wurden einer von vier Liraglutid-Dosierungen zugeordnet (1,2 Milligramm; 1,8; 2,4; oder 3,0; n=90-95), der Gabe von Placebo (n=98), oder dreimal täglich oral verabreichtem Orlistat (120 Milligramm, n=95). Alle Teilnehmer mussten zudem eine kalorienreduzierte Diät einhalten, die in etwa 500 Kilokalorien weniger enthielt, als die Probanden täglich benötigten. Bereits während der Startphase, wie auch im gesamten Studienverlauf mussten die Teilnehmer ihre körperliche Aktivität steigern.

Die Liraglutid-behandelten Teilnehmer verloren signifikant mehr Gewicht als die Placebo-Gruppe oder die Orlistat-Gruppe. Der mittlere Gewichtsverlust unter den vier Liraglutid-Dosierungen 1,2, 1,8, 2,4, und 3,0 Milligramm lag entsprechend bei 4,8, 5,5, 6,3, und 7,2 Kilogramm, verglichen mit 2,8 Kilogramm unter Placebo und 4,1 Kilogramm unter Orlistat. Unter 3,0 Milligramm Liraglutid verlor eine größere Gruppe von Personen (76 Prozent) mehr als 5 Prozent Gewicht, verglichen mit Placebo (30 Prozent) und Orlistat (44 Prozent). Liraglutid senkte den Blutdruck in allen Dosierungen. Zu Beginn der Studie hatte etwa ein Drittel der Patienten jeder Gruppe eine Diabetes-Vorstufe, d. h., eine schlechte Blutzuckerkontrolle, die jedoch noch nicht als Diabetes klassifiziert werden konnte. Einmal täglich 1,8 bis 3,0 Milligramm Liraglutid verringerten die Häufigkeit dieser Diabetes-Vorstufen (84 bis 96 Prozent Rückgang). Übelkeit und Erbrechen traten in den Liraglutid-Gruppen häufiger auf als in der Placebo-Gruppe. Unerwünschte Ereignisse waren jedoch meist vorübergehend und führten nur selten zum Abbruch der Behandlung.

Die Autoren stellen fest: "Die Behandlung mit Liraglutid, zusätzlich zu einer energiereduzierten Diät und einem Programm zur körperlichen Aktivität, führte zu nachhaltigen, klinisch relevanten, dosis-abhängigen Gewichtsverlusten, die signifikant größer ausfielen als unter Placebo (alle Dosierungen) und Orlistat (gegenüber 2,4 und 3,0 Milligramm Liraglutid)."

Die Forscher folgern: "Die Ergebnisse dieser Studie zeigen den potenziellen Nutzen des Liraglutids in Verbindung mit einer energiereduzierten Diät zur Behandlung der Fettleibigkeit und der damit verknüpften Risikofaktoren an. Liraglutid bietet eine neue Maßnahme zur Behandlung der Fettleibigkeit, sowie eine verbesserte Wirksamkeit im Vergleich zu den gegenwärtig verfügbaren Therapien. Seine Wirkung auf Diabetes-Vorstufen lässt vermuten, dass es zur Behandlung fettleibiger Personen mit diesen Vorstufen wichtig werden könnte." Sie fügen hinzu, dass nun weitere Studien mit einer über 20 Wochen hinausgehenden Nachuntersuchungsphase notwendig seien, um das langfristige Nutzen-Risiko-Profil des Liraglutids zu bestimmen.

In einem begleitenden Kommentar bemerkt Dr. George A. Bray von der Division of Clinical Obesity and Metabolism am Pennington Biomedical Research Center der Louisiana State University in Baton Rouge: "Der aktuelle Bericht zeigt eine dosis-abhängige Verringerung der Nahrungsaufnahme und des Körpergewichts bei übergewichtigen und fettleibigen, mit Liraglutid behandelten Personen." Dr. Bray fügt hinzu, dass eine Einschränkung der Verwendung solcher Medikamente wie Liraglutid darin bestünde, dass sie injiziert werden müssten. Er stellt fest: "Ob der langfristige Einsatz eines zu injizierenden Medikaments zur Behandlung der Fettleibigkeit tatsächlich angenehm ist, muss erst noch untersucht werden."

Quelle: A Astrup and others. Effects of liraglutide in the treatment of obesity: a randomised, double-blind, placebo-controlled study. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)61375-1

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