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Mikrobizide Desinfektionstücher können Neugeborenensepsis nicht verhindern Zur Anwendung in der Vagina oder bei Neugeborenen vorgesehene, mit dem Mikrobizid Chlorhexidin getränkte Desinfektionstücher können weder eine Neugeborenensepsis noch die Mutter-zu-Kind-Übertragung von bakteriellen Krankheitserregern verhindern. Daher sind andere Maßnahmen zur Eindämmung der Neugeborenen-Sterblichkeit notwendig, folgert ein aktueller vorab 'Online First' veröffentlichter Artikel. Ein begleitender Kommentar argumentiert jedoch, dass die Forschung an Desinfektionstüchern nicht aufgegeben werden sollte, und dass diese in Hochrisiko-Situationen dennoch hilfreich sind. In den Entwicklungsländern sind jährlich etwa 900 000 durch Sepsis verursachte Neugeborenen-Todesfälle zu beklagen, hauptsächlich in den ersten Lebenswochen. Die Frühform der Sepsis bietet auf Grund der während der Geburt erfolgten Übertragung von Bakterien auf die Neugeborenen einmalige Möglichkeiten der Vorbeugung. Beispielsweise stimmte die verbreitete Anwendung einer gezielten Prophylaxe mit intra partum verabreichten Antibiotika in den USA mit einer 70-prozentigen Verringerung der frühen Erkrankung durch Streptokokken der Gruppe B überein. Logistische und finanzielle Engpässe jedoch verhindern den Einsatz intra partum verabreichter Antibiotika in den Entwicklungsländern. In dieser randomisierten kontrollierten Studie untersuchten die Autoren (angeführt von Dr. Clare L. Cutland von der Vaccine Preventable Diseases and Respiratory and Meningeal Pathogens Research Unit an der University of the Witwatersrand in Südafrika) die Wirksamkeit von während der Geburt und bei Neugeborenen verwendeten Chlorhexidin-Desinfektionstüchern hinsichtlich der Verringerung der Frühform der Neugeborenensepsis sowie der vertikalen Übertragung von Streptokokken der Gruppe B. Die Studie fand in Soweto, Südafrika statt, wobei 8011 Frauen im Alter von 12 bis 51 Jahren per Zufallsverfahren in einem 1:1-Verhältnis entweder einer Reinigung der Vagina mit Chlorhexidin-Desinfektionstüchern oder einer nur äußerlichen Reinigung der Genitalien mit Feuchtigkeitstüchern während des aktiven Geburtsvorgangs zugeteilt wurden. Die 8129 Neugeborenen erhielten dementsprechend entweder eine Reinigung des ganzen Körpers (Interventionsgruppe) mit Chlorhexidin-Desinfektionstüchern oder nur der Füße (Kontrollgruppe). In einer Untergruppe der Mütter (n=5144) wurden nach der Geburt Abstriche der unteren Vagina sowie von der Haut der Neugeborenen gesammelt, um die Besiedelung mit potenziell pathogenen Keimen zu untersuchen. Primäre Ergebnisparameter waren Neugeborenensepsis in den ersten drei Lebenstagen und vertikale Übertragung von Streptokokken der Gruppe B. Die Forscher stellten fest, dass sich die Raten der Neugeborenensepsis in den beiden Gruppen nicht unterschieden (Chlorhexidin 3 Prozent gegenüber Kontrolle 4 Prozent). Auch die Besiedelungsraten mit Streptokokken der Gruppe B bei den Neugeborenen der Mütter der Chlorhexidin-Gruppe (54 Prozent) unterschieden sich nicht von den Raten in der Kontrollgruppe (55 Prozent). Die Autoren bemerken: "Der Gebrauch von Chlorhexidin-Desinfektionstüchern bei Müttern und Kindern konnte das Auftreten der Frühform der Neugeborenensepsis nicht verhindern. Dieses Fehlen eines Nutzens wird noch bekräftigt durch den Mangel eines Effekts auf die vertikale Übertragung der wichtigsten Sepsis verursachenden pathogenen Keime, wie auch durch fehlenden Einfluss auf die ernste postpartale Sepsis der Mütter." Die Forscher folgern: "Obwohl mehrere Studien Hoffnungen geweckt haben, dass die Reinigung der Vagina und der Neugeborenen mit Chlorhexidin von Nutzen sein könnte, das Leben Neugeborenener zu schützen, lassen die Ergebnisse unserer Studie vermuten, dass der Gebrauch von Chlorhexidin-Desinfektionstüchern die Neugeborenenen-Sterblichkeit auf Grund vertikal erworbener Sepsis wahrscheinlich nicht verringern kann. Andere Maßnahmen bei den Neugeborenen sind also notwendig, das Millenium-Entwicklungsziel einer verringerten Kindersterblichkeit zu erreichen." In einem Begleitkommentar bemerken Dr. Luke C. Mullany von der John Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore sowie Robert J. Biggar vom State Serum Institute in Kopenhagen und der International Agency for Research on Cancer in Lyon: "Wir denken nicht, dass die weitere Auseinandersetzung mit dieser günstigen und einfach anzuwendenden Maßnahme aufgegeben werden sollte. Nahezu 4 Millionen Neugeborene sterben jährlich und günstige, in finanzschwachen Gemeinden einfach anzuwendende Interventionen sind dringend notwendig. Wenn die Reinigung der Vagina und der Haut der Neugeborenen mit Chlorhexidin in Hochrisiko-Situationen untersucht wurde, so konnte diese doppelte Maßnahme die Sterblichkeit verringern. Wir drängen daher intensiv auf weitere Studien bezüglich der Rolle des Chlorhexidingebrauchs in finanzschwachen Entbindungsräumen und Gemeinden." Quelle: CL Cutland and others. Chlorhexidine maternal-vaginal and neonate body wipes in sepsis and vertical transmission of pathogenic bacteria in South Africa: a randomised, controlled trial. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)61339-8 http://www.thelancet.com |
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