25.09.09
Karpaltunnelsyndrom besser chirurgisch behandeln
Die Operation eines Karpaltunnelsyndroms bei Patienten, die keine Anzeichen schwerer Nervenschädigungen aufweisen (Denervation), liefert bessere Ergebnisse als die nicht-chirurgische Behandlung, wobei die klinische Relevanz dieses Unterschieds bescheiden ausfällt. Die Ergebnisse werden in einem aktuellen Artikel im 'Surgery Special Issue' vorgestellt. Autoren sind Professor Jeffrey Jarvik vom Harborview Medical Center an der University of Washington in Seattle und Kollegen.
In dieser randomisierten kontrollierten Studie wiesen die Autoren 116 Patienten aus 8 Zentren entweder einer Operation des Karpaltunnelsyndroms (57 Patienten) oder einer klar definierten nicht-chirurgischen Behandlung zu (darunter Handtherapie und Ultraschall, 59 Patienten). Primärer Ergebnisparameter war die Handfunktion, nach 12 Monaten mit Hilfe des 'Carpal Tunnel Syndrome Assessment'-Fragebogens (CTSAQ) beurteilt. Befragt wurde durch Forscherpersonal, das jedoch die jeweilige Gruppenzugehörigkeit der Patienten nicht kannte.
Insgesamt 44 Patienten (77 Prozent) der Operationspatienten wurden auch operiert. Nach 12 Monaten schlossen 101 Patienten (87 Prozent) den Nachuntersuchungszeitraum ab und wurden analysiert (49 der 57 Operationspatienten und 52 der 59 Nicht-Chirurgie-Gruppe). Die Analyse zeigte einen auf 12 Monate bereinigten signifikanten Vorteil der chirurgischen Eingriffe bezüglich Funktion und Symptomatik (berechnet anhand des Anteils jener Patienten, die eine zumindest 30-prozentige Verbesserung des CTSAQ-Werts für die entsprechenden Indikatoren erreichten, und nur minimale Beeinträchtigungen in der täglichen Arbeit oder Hausarbeit hatten). 46 Prozent der operierten Patienten erreichten alle drei Kriterien, verglichen mit 27 Prozent der nicht-operierten Patienten.
Die Autoren stellen fest: "Insgesamt zeigen diese Daten, dass bei Patienten mit Karpaltunnelsyndrom ohne Denervation eine Operation Handfunktion und Symptomatik nach 3 Monaten geringfügig verbessert im Vergleich zu multimodalen nicht-chirurgischen Behandlungsmaßnahmen. Diese Vorteile halten auch nach einem Jahr an. Allerdings berichteten einige operierte Patienten von anhaltenden Symptomen, und 61 Prozent der nicht-operierten Patienten lehnten eine Operation generell ab. Unsere Studie deutet im Zusammenhang mit anderen früheren Hinweisen an, dass die Hand-Chirurgie bei Patienten mit Karpaltunnelsyndrom von Nutzen sein kann."
In einem begleitenden Kommentar bemerken Dr. Isam Atroshi von den Hässleholm and Kristianstad Hospitals und der Lund University, sowie Dr. Christina Gummesson von der Lund University in Schweden: "Zukünftige Studien sollten die Gesamtkosten chirurgischer und nicht-chirurgischer Maßnahmen vergleichen, um alle relevanten Aspekte in Betracht zu ziehen. Letztendlich ist der Wunsch des Patienten ausschlaggebend: Angesichts der Notwendigkeit, tagsüber und nachts über mehrere Wochen hinweg eine Armschiene tragen zu müssen, könnten einige eine frühzeitige Operation, andere jedoch gegenüber den potenziellen Operationsrisiken eine partielle Besserung bevorzugen. Dennoch sollte den Karpaltunnelsyndrom-Patienten, die mit den nicht-chirurgischen Maßnahmen keine befriedigenden Verbesserungen erreichen, eine Operation angeboten werden."
Quelle: JG Jarvik and others. Surgery versus non-surgical therapy for carpal tunnel syndrome: a randomised parallel-group trial. Lancet 2009; 374: 1074 - 1081
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