18.09.09
Toiletten und Handhygiene essentiell für Wachstum der Kinder
Viele Studien haben sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit Ernährung und Wachstum von Kindern (oder die Vermeidung ihrer Unterentwicklung) zusammenhängen. Ein aktueller 'Viewpoint' untersucht jedoch die Wichtigkeit von Toiletten und Handhygiene zur Sicherstellung des normalen Wachstums der Kinder in den Entwicklungsländern. Toiletten fehlen weitestgehend und die Handhygiene ist mangelhaft.
Der von Dr. Jean Humphrey von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore verfasste 'Viewpoint' stellt fest, dass Verbesserungen in diesem Bereich die Häufigkeit tropischer Enteropathien verringern könnte, Erkrankungen, bei denen sich der Dünndarm entzündet und auf Grund bakteriellen Befalls nur noch unzureichend arbeitet. Dr. Humphrey geht davon aus, dass schlechte sanitäre Ausstattung sowie mangelhafte Handhygiene die Ursache vieler dieser Probleme sind, und stellt die Hypothese auf, dass Verbesserungen dieser beiden Schlüsselparameter zu erheblichen Rückgängen unterentwickelter Kinder in den Entwicklungsländern führen können.
Dr. Humphrey nutzt eine Analogie zu Hühnern, um ihren Standpunkt zu untermauern. Kontrollierte Studien haben gezeigt, dass in schmutziger Umgebung aufwachsende Junghühner normal wachsen, wenn sie zusätzlich Antibiotika erhalten, die jene bedrohlichen Bakterien abwehren, die in dieser Umgebung existieren. Unter gleichen Bedingungen aufwachsende, unbehandelte Junghühner entwickeln sich schlechter. Bei Kindern und Hühnern gleichermaßen nehmen biologische Marker von Entzündungen unter unhygienischen Bedingungen erheblich zu und deuten an, dass Kinder wie Hühner einen 'nahezu kontinuierlichen Status einer das Wachstum hemmenden Immunantwort' erreichen. Hierbei würden essentielle Nährstoffe dem Wachstum entzogen und für die Bereitstellung von Energie und die Herstellung von Substanzen der Immunreaktion verwendet. Die Folgen auf das Wachstum von Kindern können erheblich sein, insbesondere in den ersten beiden Lebensjahren, wenn das Wachstum hohe Anforderungen stellt.
Die Forscherin bemerkt: "Wie können Kinder vor Fäkalien geschützt werden? Die sichere Entsorgung von Stuhl (durch Toiletten) sowie Händewaschen mit Seife nach Kontakt mit Fäkalien sind die erste Barriere gegen Hand-zu-Mund-Übertragungen, da hiermit die Verbreitung von Fäkalien in die häusliche Umgebung vermieden wird. Viele randomisierte Studien zum Händewaschen konnten wesentliche Verringerungen von Durchfallerkrankungen nachweisen, wenngleich keine die Wirkung dieser Maßnahmen auf tropische Enteropathien oder das Wachstum von Kindern untersuchte. Überraschenderweise gibt es keine veröffentlichten randomisierten Studien darüber, wie sich die Bereitstellung von Toiletten auf das Wachstum der Kinder oder sogar Durchfall auswirkt."
Dr. Humphrey folgert: "Ich stelle die Hypothese auf, dass die Vermeidung der tropischen Enteropathien, die nahezu alle Kinder in den Entwicklungsländern plagen, ausschlaggebend sein wird, das Wachstum der Kinder zu normalisieren, und dass dies ohne Bereitstellung von Toiletten nicht erreicht werden kann. Randomisierte kontrollierte Studien zur Bereitstellung von Toiletten und Förderung des Händewaschens, die als Ergebnisparameter tropische Enteropathie und Wachstumsraten der Kinder beinhalten, werden wertvolle Hinweise für diese Prämisse liefern und könnten eine Lösung des hartnäckigen Problems der Unterernährung von Kindern bieten."
Quelle: JH Humphrey. Child undernutrition, tropical enteropathy, toilets, and handwashing. Lancet 2009; 374: 1032
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