18.09.09
Verhütungsmittel, ungeplante Schwangerschaften und Fragen des Klimawandels
Der aktuelle Leitartikel diskutiert, dass weltweit mehr als 200 Millionen Frauen Verhütungsmittel benötigen, auf diese jedoch nicht zugreifen können. Ein Herangehen an diesen bislang ungedeckten Bedarf und die weltweit jährlich 76 Millionen ungeplanten Schwangerschaften könnten das Bevölkerungswachstum bremsen und somit den demografischen Druck auf die Umwelt verringern.
Der Leitartikel stellt fest: "Die an den zunehmenden Emissionen nur äußerst gering beteiligten Entwicklungsländer werden wahrscheinlich die heftigsten Auswirkungen des Klimawandels erleiden, wobei Frauen den größten Tribut zahlen werden. Das im Zusammenhang mit anderen Faktoren rasche Bevölkerungswachstum in diesen Regionen verstärkt das Maß der Verletzlichkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels, beispielsweise die Verknappung von Nahrungsmitteln und Wasser, Umweltzerstörung und Vertreibung."
Die jüngste UN-Weltbevölkerungskonferenz (ICPD) in Berlin wird diskutiert, und der Leitartikel bemängelt: "Viele der Nichtregierungsorganisationen scheinen immer noch nur innerhalb von Silomauern zu handeln und jenes mehrgliedrige Engagement zu vermeiden, das zur Änderung gesellschaftlicher Einstellungen notwendig ist." Die Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen in diesen Gemeinschaften beschreibt der Leitartikel als enttäuschend, fügt jedoch hinzu: "Die Diskussionen allerdings, wie sich die Gemeinschaften der sexuellen und reproduktiven Gesundheit mit der entstehenden Umweltkrise auseinandersetzen, die zunehmend die gesundheitlichen Umstände der Frauen beeinträchtigt, fanden große Beachtung auf der Berliner Tagung."
Eine Studie (wird demnächst von der Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlicht) der ersten 40 so genannten Nationalen Aktionsprogramme zur Anpassung (NAPAs), der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen von den am wenigsten entwickelten Ländern eingereicht, zeigte, dass 37 dieser Länder eine Verknüpfung zwischen Bevölkerungswachstum und Klimawandel sehen. Allerdings erkannten nur sechs dieser Länder, dass Familienplanung ein Teil ihrer Anpassungsstrategie ist, dies wahrscheinlich deshalb, weil Familienplanung eher in den Aufgabenbereich des Gesundheitsministeriums statt des Umweltministeriums fällt, das für die NAPA-Dokumente verantwortlich ist. Außerdem berührten nur 7 Prozent der 448 NAPA-Projekte den Gesundheitssektor.
Der Leitartikel bemerkt, dass die Reaktion auf Gesundheitsfragen in den gegenwärtigen Ansätzen zur Bekämpfung des Klimawandels fehlt. Er hebt eine Fallstudie in Äthiopien hervor, die die Menschen in nachhaltiger Landwirtschaft schulte, und nebenher die Verfügbarkeit der Familienplanung verstärkte. Das Programm führte mit besseren landwirtschaftlichen Methoden zu unmittelbaren Fortschritten der Umwelt, die langfristig erhalten bleibt und nicht von einer rasch wachsenden Bevölkerung erodiert wird.
Die Schlussfolgerung des Leitartikels lautet: "In weniger als drei Monaten bietet die Welt-Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Kopenhagen eine Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf die zentrale Bedeutung der Frauen zu richten. Die Gemeinschaft der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und der Rechte sollte die globale Architektur des Klimawandels und ihre technologische Fokussierung in Frage stellen und die Diskussion hin zu einem Ansatz der Anpassung verschieben, der auf einer stärker menschen- und rechtsbezogenen Basis steht."
Quelle: Editorial. Sexual and reproductive health and climate change. Lancet 2009; 374: 949
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