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THE LANCET   18.09.09
 
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UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen ist von wesentlicher Bedeutung für unser Überleben

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Der erfolgreiche Abschluss der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember dieses Jahres ist von wesentlicher Bedeutung für unsere Zukunft als Spezies Mensch und unsere Zivilisation. Sollte die Zustimmung zu radikalen Verringerungen der Emissionen verweigert werden, so hätte dies mit Blick auf die globale Gesundheit eine Katastrophe zur Folge, warnen Lord Michael Jay und Professor Sir Michael Marmot in einem gleichzeitig in 'The Lancet' und 'The British Medical Journal' vorab 'Online First' veröffentlichten Kommentar.

Die wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass die globale Erwärmung zunimmt und dass die Menschheit dafür verantwortlich zeichnet, werden seit dem 2007 veröffentlichten Bericht des Weltklimarats IPCC weitgehend akzeptiert. Mittlerweile besteht eine breite Übereinstimmung darin, dass die CO2-Emissionen weltweit bis 2050 möglichst auf die Hälfte der Emissionen des Jahres 1990 verringert werden müssen. Nur dann könnte es zumindest eine 50-prozentige Chance geben, den Temperaturanstieg soweit zu mildern, dass er vorindustrielle Werte um nicht mehr als 2 Grad Celsius überschreitet. Dies wird von vielen als der kritische Wendepunkt gesehen, ab dem der Klimawandel katastrophale und unumkehrbare Ausmaße annehmen wird.

Die Autoren stellen fest: "Diese Argumente sollten direkt angesprochen werden. Der Klimawandel hat globalen Charakter. Emissionen kennen keine Grenzen. Die notwendigen Maßnahmen sollten zudem nicht als Belastung, sondern als Chance gesehen werden. Kohlekraftwerke verschmutzen die Atmosphäre und verschlechtern die Gesundheit. Wie auch alle Verbrennungsmotoren. Die Abholzung zerstört die Biodiversität. Energieeinsparungen helfen begrenzten Haushaltsbudgets. Trockenheitsresistente Feldfrüchte helfen armen Landwirten. Auch ohne den Klimawandel sprechen viele Gründe für saubere Energiegewinnung, elektrische Fahrzeuge, Schutz der Wälder, Energieeffizienz und neue Agrarkulturtechnologien. Der Klimawandel macht sie unwiderlegbar."

Die Kommentatoren fügen hinzu: "Um Herz und Verstand in den reicheren Ländern zu gewinnen, muss deutlich werden: Was gut für das Klima ist, ist auch gut für die Gesundheit. Eine kohlenhydratärmere Ernährung (insbesondere weniger Fleisch) und vermehrte körperliche Aktivität hätten weniger Krebserkrankungen, Fettleibigkeit, Diabetes und Herzerkrankungen zur Folge. Nochmals also, es geht um Chancen, nicht um Belastungen."

Die Autoren folgern: "Ein erfolgreicher Abschluss in Kopenhagen ist unerlässlich für unsere Zukunft als Spezies Mensch und unsere Zivilisation. Notwendig ist, dass die reichen Länder ihre Verpflichtungen gegenüber den ärmeren erkennen, und dass die ärmeren Länder erkennen, dass der Klimawandel ein globales Problem darstellt, das eine globale Lösung erfordert, zu der wir alle beitragen müssen. Dies erfordert eine neue Denkart: dass die zur Entschärfung der Risiken des Klimawandels und zur Anpassung an bereits unausweichliche Auswirkungen notwendigen Maßnahmen eine Gelegenheit bieten, Zielsetzungen zu erreichen, die für sich selbst bereits wünschenswert sind – das Erreichen der Millenniumsziele in den armen Ländern, sowie eine gesündere und gerechtere Gesellschaft in den reichen Ländern, wie auch weltweit. Radikalen Verringerungen der Emissionen die Zustimmung zu verweigern, hätte eine weltweite Gesundheitskatastrophe zur Folge, weshalb Fachleute des Gesundheitswesens ihr Anliegen nun und auch nach Kopenhagen mit Nachdruck vertreten sollten."

In der 'Correspondence', die den Kommentar begleitet, bemerken weltweit führende Ärzte, vertreten durch Professor Ian Gilmore, Präsident des Royal College of Physicians in London: "Es besteht tatsächlich die Gefahr, dass die Politiker unentschlossen bleiben, insbesondere in den derzeitigen turbulenten ökonomischen Zeiten. Sollte deren Antwort nur schwach ausfallen, so könnten sich die Folgen für die internationale Gesundheit katastrophal auswirken. Als führende Ärzte vieler Länder rufen wir die Ärzteschaft auf, dass sie von ihren Politikern einfordert, eindeutige Fakten zur Kenntnis zu nehmen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen, und dass sie jetzt handeln und Strategien einführen, die den Gemeinschaften weltweit gesundheitlichen Nutzen bringen."

Quelle: M Jay and MG Marmot . Health and climate change. Lancet 2009; 374: 961
 
http://www.thelancet.com
 
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