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THE LANCET   11.09.09
 
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Vierzig Prozent aller Todesfälle weltweit beruhen auf Verletzungen und Gewaltanwendung

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Die erste Studie, die globale Sterblichkeitsraten von jungen Menschen im Alter von 10 bis 24 Jahren erfasst hatte, zeigt, dass sich die überwiegende Mehrheit der Todesfälle in dieser Altersgruppe (97 Prozent) in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus ereignet. Darüber hinaus wird angemerkt, dass die derzeitige Konzentration auf Müttersterblichkeit, HIV/AIDS und andere Infektionskrankheiten wie Tuberkulose in dieser Altersgruppe zwar wichtig, aber dennoch unzureichend sei, da weltweit 40 Prozent dieser Todesfälle durch Verletzungen und Gewaltanwendung verursacht werden. Diese und viele weitere Schlussfolgerungen werden in einem aktuellen, von Professor George Patton vom Centre for Adolescent Health und dem Murdoch Children’s Research Institute am Royal Children’s Hospital in Melbourne, Krishna Bose vom Department of Child and Adolescent Health and Development der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie Kollegen verfassten Artikel beschrieben.

Die Autoren zogen die Daten der 'Global Burden of Disease'-Studie des Jahres 2004 sowie für den Weltgesundheitsbericht 2006 entwickelte Schätzungen der Sterblichkeitsraten heran. Die Muster der Sterblichkeitsraten wurden anhand der WHO-Region, des Einkommensstatus und der Ursache je nach Altersgruppe untersucht. Diese Gruppierungen umfassten frühe Pubertät (10 bis 14 Jahre), späte Pubertät (15 bis 19 Jahre) und frühes Erwachsenenalter 20 bis 24 Jahre). Industrienationen wurden in einer Kategorie zusammengefasst, Länder mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus wurden je nach WHO-Region gruppiert (Afrika, der amerikanische Doppelkontinent, der östliche Mittelmeerraum, Europa, Südostasien und der westpazifische Raum). Die Todesursachen wurden in I (darunter mit Ia die Müttersterblichkeit und Ib ansteckende Krankheiten und Ernährungsbedingungen), in II (nicht-ansteckende Krankheiten) und in III (Verletzungen durch Verkehrsunfälle, Brände, Ertrinken, Selbstverletzungen, Gewalt und Kriegsgeschehen) gruppiert.

Die Forscher stellten fest, dass im Jahr 2004 2,6 Millionen junge Menschen im Alter von 10 bis 24 Jahren starben (von weltweit 1,8 Milliarden dieser Altersgruppe), wobei sich davon allein schon 2,56 Millionen Todesfälle in den Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus ereigneten. Nahezu zwei Drittel (1,67 Millionen) starben im südlich der Sahara gelegenen Afrika sowie in Südostasien, obwohl diese Regionen nur 42 Prozent der Altersgruppe 10 bis 24 Jahre stellen. Industrienationen verzeichneten nur 3 Prozent der Todesfälle, obwohl sie 11 Prozent der entsprechenden Altersgruppe stellen. Die Sterblichkeitsraten lagen unter den jungen Erwachsenen höher als bei den jüngeren Pubertierenden, die Ursachen hierfür variierten jedoch je nach Region und Geschlecht. Weltweit betrachtet verdoppelte sich die Sterblichkeitsrate von der Altersgruppe 10 bis 14 (95 Tote von 100 000) hin zur Altersgruppe 20 bis 24 (224 Tote). Die Lebensbedingungen der Mütter (darunter verschiedene individuelle Kategorien) waren mit 15 Prozent eine Hauptursache der Sterblichkeit unter den Frauen. HIV/AIDS und Tuberkulose trugen mit 11 Prozent zur Sterblichkeit bei. Verkehrsunfälle waren bei beiden Geschlechtern (kombiniert 10 Prozent) die häufigste Todesursache, mit 14 Prozent bei den Männern und 5 Prozent bei den Frauen. Andere hervorstechende Ursachen umfassten Gewalt (12 Prozent der männlichen Toten) und Selbsttötungen (6 Prozent aller Todesfälle). Viele weitere interessante Ergebnisse zu allen Regionen und Altersgruppen finden sich in einer Zusammenfassung, die diese Pressemitteilung begleitet.

Die Autoren bemerken: "Die Sterblichkeitsraten in den Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus lagen nahezu um das Vierfache höher als jene in den Industrienationen, ein insbesondere unter jungen Frauen hervorstechender Unterschied."

Die Forscher fügen hinzu, dass in einigen Regionen, darunter Afrika und Südostasien, die Todesursachen der Gruppe I mit Pubertät und jungem Erwachsenendasein zunehmen und daher von großer Wichtigkeit sind. Die derzeitigen Maßnahmen der Weltgesundheit mit Blick auf Vermeidung und Behandlung von HIV und anderen Infektionskrankheiten sowie Zugang zu Informationen und Hilfen für sexuelle und reproduktive Gsundheit werden wahrscheinlich von höchstem Nutzen sein. Die Autoren folgern jedoch: "Obwohl selbst in diesen Regionen Tuberkulose und Infektionen des unteren Atemtrakts mehr jugendliche Todesfälle zur Folge haben als HIV/AIDS, haben sie noch keine angemessene Reaktion der Politik hervorgerufen. Insbesondere wichtig ist, dass Todesfälle der Gruppe I in den meisten Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommensstatus nicht herausragten. Im westlichen pazifischen und östlichen europäischen Raum glichen die Muster der Todesfälle jenen der Industrienationen, obgleich die Gesamttodesfallzahlen höher lagen, was auf die Notwendigkeit sehr verschiedener Strategien hinweist."

In einem begleitenden Kommentar bemerkt Dr. Robert W. Blum vom Department of Family and Reproductive Health an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore: "Obwohl die Pubertät häufig als der gesündeste Lebensabschnitt bezeichnet wird, macht diese Studie deutlich, dass junge Menschen ein erhebliches Sterblichkeitsrisiko aufweisen."

Dr. Blum folgert: "Mit unserem derzeitigen Verständnis der Sterblichkeit unter Jugendlichen wären wenigstens 75 Prozent aller Todesfälle in der zweiten Lebensdekade durch Einführung etablierter vorbeugender und eingreifender Strategien vermeidbar. Wir wissen, dass der Zugang zu Empfängnisverhütungsmitteln und Hilfen zur Familienplanung zeitlich ungünstige und ungeplante Schwangerschaften verringert. Wir wissen, dass sichere Abtreibungen die Müttersterblichkeit herabsetzen und dass Ausbildung und Stärkung der Frauen die Gesundheit in vielen Aspekten verbessern helfen und jungen Frauen neue Optionen eröffnen kann. Wir wissen, dass verschiedene Maßnahmen der Verkehrssicherheit und –politik verkehrsbezogene Sterblichkeit reduzieren. Wir wissen genug über wirksame Maßnahmen, um unsere Dienste und Programme auf eben jene Basis zu stellen, die sich in empirischen Untersuchungen als sinnvoll erwiesen hat, und nicht auf jene, die nur nach unserer Meinung funktionieren sollte. Und wir wissen, dass die Verringerung der Risiken allein nicht ausreicht; wir müssen die schützenden Faktoren aufbauen, die junge Menschen vor dem Elend bewahren. Die Herausforderungen sind gewaltig, die Möglichkeiten ebenfalls."

Quelle: PC Patton and others. Global patterns of mortality in young people: a systematic analysis of population health data. Lancet 2009; 374: 881
 
http://www.thelancet.com
 
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