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THE LANCET   11.09.09
 
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Hohe, obwohl vermeidbare, Kindersterblichkeit durch Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenza Typ b

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Zwei Artikel beleuchten diese Woche neue Zahlen der Weltgesundheitsorganisation, wonach durch Impfungen möglicherweise vermeidbare Infektionen mit Streptococcus pneumoniae (11 Prozent) und Haemophilus influeanza Typ b [Hib] (6 Prozent) zusammen für 17 Prozent der Todesfälle bei Kindern im Alter von 1 bis 59 Monaten verantwortlich sind. Die Verringerung der Kindersterblichkeit und das Erreichen des Millennium-Entwicklungszieles 4 könnte daher durch verbesserte Prävention, Impfprogramme und die Behandlung von Pneumokokken- und Hib-Erkrankungen gefördert werden. Beide Studien wurden von der GAVI-Alliance und dem Vaccine Fund finanziert.

Der erste Artikel stammt von Dr. Katherine L. O'Brien von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health am Department of International Health in Baltimore und Kollegen, die die Hib and Pneumococcal Disease Burden Working Group der Weltgesundheitsorganisation bilden. S. pneumoniae ist weltweit einer der bedeutendsten Erreger von bakterieller Lungenentzündung, Meningitis und Sepsis bei Kindern. Wirksame Gegenmaßnahmen sind vorhanden, darunter der Pneumokokken-Konjugatimpfstoff und Case-Management-Strategien.

Mit Hilfe einer systematischen Literaturstudie, denen sie die Krankheitshäufigkeiten sowie die Mortalitätsdaten entnahmen, schätzten die Autoren die Zahl der Fälle und Todesfälle durch von Pneumokokken verursachte Lungenentzündung sowie dem Anteil Pneumokokken-bedingter Meningitis und anderen invasiven Erkrankungen. Sie stellten fest, dass im Jahr 2000 (das letzte mit vollständigem Datensatz und das Jahr vor Einführung des Pneumokokken-Impfstoffes) etwa 14,5 Millionen Episoden von schweren Erkrankungen durch Pneumokokken auftraten. Sie forderten etwa 826 000 Todesfälle bei Kindern im Alter von 1 bis 59 Monaten, von denen 91 000 HIV-positiv und 735 000 HIV-negativ waren. Über 61 Prozent der Todesfälle unter HIV-negativen Kindern traten in zehn afrikanischen und asiatischen Ländern auf.

"Die Vermeidung von Pneumokokken-Erkrankungen und dadurch verursachten Todesfällen ist nur dann möglich, wenn in jenen Regionen mit der höchsten Belastung erfolgreich Präventionsmaßnahmen eingerichtet und durchgeführt werden. Im August 2008 wurden in 24 Industriestaaten und zwei Ländern von mittlerem Einkommensstatus Routineimpfungen mit dem Pneumokokken-Konjugatimpfstoff durchgeführt, nicht jedoch in Afrika oder Asien, die die höchsten Zahlen an Erkrankungen und Todesfällen durch Pneumokokken aufweisen. Die Todesfälle durch Pneumokokken-Infektionen unter Kindern in diesen 26&bnbsp;Ländern machten gerade einmal 0,2 Prozent der globalen Zahlen aus", erklären die Autoren. Und fügen hinzu, dass das Risiko eines Pneumokokken-bedingten Todes in Ländern, die den Impfstoff nicht einsetzen, 40 Mal so hoch ist wie in den Ländern mit Routine-Impfungen.

Sie folgern: "Unsere Ergebnisse lassen große Fortschritte erwarten, wenn man sich auf Länder mit großen Bevölkerungszahlen und mittlerem Auftreten konzentriert sowie auf ausgewählte Staaten mit hoher Inzidenz und Mortalität. Bei HIV-negativen Kindern unter fünf Jahren machen durch Pneumokokken ausgelöste Todesfälle elf Prozent der Gesamtmortalität in dieser Gruppe aus. Eine Verringerung von Pneumokokken-Erkrankungen würde daher den Fortschritt hinsichtlich des Millennium-Entwicklungszieles 4 deutlich beschleunigen."

Im zweiten Artikel untersuchten Dr. James P. Watt, ebenfalls vom Johns Hopkins Department of International Health in Baltimore und die WHO-Arbeitsgruppe Todesfälle durch Haemophilus influenza Typ b (Hib) - einem der wichtigsten Auslöser bakterieller Meningitis, Lungenentzündung und anderer schwerer Erkrankungen. Sie fanden heraus, dass Hib im Jahr 2000 weltweit etwa 8,13 Millionen schwere Erkrankungen hervorrief. Daraus schätzten sie, dass durch Hib 371 000 Kinder zwischen 1 und 59 Monaten starben, von denen 8100 HIV-positv und 363 000 HIV-negativ waren.

"Hib-Impfstoffe sind immer weiter verbreitet, die Preise sinken, und die GAVI Alliance bietet Ländern mit niedrigem Einkommen eine Impfstofffinanzierung. Es mögen Zweifel bestehen bleiben, wie hoch die Belastung durch Hib wirklich ist, insbesondere in Teilen Asiens, doch sinkt deren Bedeutung angesichts der steigenden Impfstoffverfügbarkeit und sinkenden Kosten. Studien in Ländern, die mit GAVI-Hilfe Hib-Impfstoffe eingeführt haben, sollten viele Fragen hinsichtlich der Krankheitslast und dem Impfeffekt klären", meinen die Autoren.

Sie schließen: "Die globale Belastung durch Hib-bedingte Krankheiten ist bedeutend und dabei beinahe vollständig durch Impfung auszuschalten. Ein ausgedehnter Einsatz von Hib-Impfstoff könnte Pneumonie und Meningitis bei Kindern verringern und die Kindersterblichkeit senken."

In einem Begleitkommentar äußern Dr. Igor Rudan von der Universität Split in Kroatien und Dr. Harry Campbell von der University of Edinburgh Medical School: "Es gibt wirksame Impfstoffe gegen Pneumokokken und Hib, die gut in nationale Impfprogramme integriert werden könnten. Diese neuen Schätzungen zeigen, dass ein hoher Immunisierungsgrad in der Bevölkerung einen großen Teil der Kindersterblichkeit weltweit verhindern könnte."

Quelle: KL O'Brian and others. Burden of disease caused by Streptococcus pneumoniae in children younger than 5 years: global estimates. Lancet 2009; 374: 893
 
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