11.09.09
Impfungen könnten Überleben von afrikanischen Kindern mit Sichelzellenanämie verbessern
Während frühere Hinweise kein eindeutiges Bild zeichneten, zeigt nun ein online vorab veröffentlichter Artikel, dass die bakteriellen Krankheitserreger in afrikanischen Kindern mit Sichelzellenanämie mit jenen in der entwickelten Welt übereinstimmen. Impfungen gegen diese bakteriellen Infektionen, mit in der entwickelten Welt leicht verfügbaren Impfstoffen, würde das Überleben dieser Kinder verbessern. Der Artikel stammt von Dr. Thomas N. Williams vom KEMRI/Wellcome Trust Programme in Kilifi, Kenia, und Kollegen aus Afrika und Großbritannien.
In Afrika südlich der Sahara sterben mehr als 90 Prozent der Kinder mit Sichelzellenanämie, bevor die Diagnose überhaupt gestellt werden kann. Die Einführung der Penicillin-Prophylaxe und Immunisierungen gegen S. pneumoniae und H. influenza Typ b mit Konjugatimpfstoffen haben die Prognose für Patienten mit angeborener Sichelzellenanämie in den entwickelten Ländern substanziell verbessert. Die Todesursachen sind nur mangelhaft dokumentiert, doch dürfte bakterielle Sepsis eine entscheidende Rolle spielen.
Bisherige Hinweise hatten vermuten lassen, dass die Sammlung der Organismen, die bei afrikanischen Patienten mit Sichelzellenanämie invasive bakterielle Erkrankungen hervorrufen, sich von denen in den entwickelten Ländern unterscheiden könnte. Die Autoren untersuchten das Risiko invasiver bakterieller Erkrankungen an Kindern mit Sichelzellenanämie. Sie legten Blutkulturen all jener Kinder unter 14 Jahren an, die aus einem definierten Untersuchungsgebiet zwischen 1. August 1998 und 31. März 2008 in das Kilifi District Hospital eingewiesen wurden. Solche mit Bakterämie wurden als Fälle eingestuft.
Die Forscher entdeckten 2157 Episoden von Bakterämie in 38 441 Einweisungen (6 Prozent). 1749 dieser Kinder mit Bakterämie (81 Prozent) wurden auf Sichelzellenanämie überprüft, 108 (6 Prozent) waren positiv (Kontrolle: 89 von 13 492; 1 Prozent). Am häufigsten wiesen die Wissenschaftler bei den Kindern mit Sichelzellenanämie Streptococcus pneumoniae (44 von 108 Isolaten, 41 Prozent), non-typhi-Salmonellen (19/108, 18 Prozent), Haemophilus influenza Typ b (13/108, 12 Prozent), Acinetobacter-Arten (7/108, 7 Prozent) und Escherichia coli (7/108, 7 Prozent) nach. Bei Kindern mit Sichelzellenanämie lag die Wahrscheinlichkeit für eine invasive bakterielle Erkrankung 26-mal so hoch wie bei Kindern ohne diese Krankheit; die stärkste Assoziation für spezifische Bakterien offenbarte sich für S. pneumoniae (33-mal so wahrscheinlich bei Kindern mit Sichelzellenanämie), bestimmten Typen von Salmonella-Arten (36-fache Wahrscheinlichkeit) und H. influenza Typ b (28-fache Wahrscheinlichkeit).
Die Autoren folgern: "Insgesamt ereigneten sich mehr als 10 Prozent der Episoden von pneumokokkaler Bakterämie in Kindern mit Sichelzellenanämie, drei Viertel davon durch Serotypen, die in dem lizenzierten zehnvalenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff vertreten sind. Und während alle von einer Einführung eines Pneumokokken-Konjugatimpfstoffs in die Routine-Immunisierungen profitieren würden, wäre der Nutzen für Kinder mit Sichelzellenanämie sicherlich besonders groß."
Sie schließen: "Die Organismen, die bei afrikanischen Kindern mit Sichelzellenanämie Bakterämien auslösen, sind dieselben wie in den entwickelten Ländern. Eine Einführung von Konjugatimpfstoffen gegen S. pneumoniae und H. influenza in die Routine-Impfungen für Kinder in den afrikanischen Staaten könnte das Überleben von Kindern mit Sichelzellenanämie grundlegend beeinflussen."
In einem Begleitkommentar äußern Dr. Jane Hankins und Dr. Russell E. Ware vom St. Jude Children’s Research Hospital in Memphis, USA: "Ob nun in Amerika, Europa oder Afrika, Sichelzellenanämie bleibt ein Leiden, das Millionen Menschen betrifft. Doch das Fazit ist eindeutig: Um Morbidität und Mortalität zu verringern, müssen Screenings eine frühe Diagnose ermöglichen, muss eine frühe antibiotische Prophylaxe einsetzen, Unterweisung zu möglichen Krankheitskomplikationen stattfinden und eine geeignete Immunisierung gegen bakterielle Keime, insbesondere S. pneumoniae erfolgen. Diese winzigen Maßnahmen der Prävention wären gewichtige Fortschritte auf dem Weg zu einer besseren Bekämpfung und letzten Endes Heilung."
Quelle: TN Williams and others. Bacteraemia in Kenyan children with sickle-cell anaemia: a retrospective cohort and case—control study. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)61374-X
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