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THE LANCET   04.09.09
 
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Intravenöses Relenza hilft H1N1-infizierter Frau nach Chemotherapie

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Eine 22-jährige Frau, deren Immunsystem auf Grund einer kürzlich erfolgten Chemotherapie geschwächt war, überlebte eine schwere Schweinegrippe-Infektion mit Hilfe einer nicht lizensierten intravenös verabreichten Form des Medikaments Relenza in Kombination mit hochdosierten Kortikosteroiden. Der 'Case-Report' wurde bereits vorab 'Online First' veröffentlicht, die Verfasser sind Dr. Michael Kidd und Dr. Mervyn Singer vom University College London Hospitals NHS Foundation Trust in London sowie Kollegen.

Die Frau erhielt die Chemotherapie als Teil der Gesamtbehandlung eines Morbus Hodgkin. Sie wurde am 8. Juli dieses Jahres in die Intensivstation (ICU) des University College Hospital eingeliefert. Die Patientin hatte eine per Laboruntersuchung bestätigte H1N1-Infektion, litt zunehmend unter Kurzatmigkeit, hatte Flüssigkeitsansammlungen in beiden Lungenflügeln und sprach weder auf zweimal täglich verabreichte 75 Milligramm Tamiflu noch auf breitbandige Antibiotika an. Die fortschreitende Verschlechterung ihres Zustands machte ab dem dritten Tag nach Einweisung in die ICU die künstliche Beatmung notwendig. Da die Patientin das Tamiflu offensichtlich nicht absorbierte, wurde für die ICU-Tage 6 bis 13 zu vernebeltem Relenza gewechselt. Auch dies zeigte keinen klinischen Erfolg, am ICU-Tag 10 wurden hohe Titer an H1N1-RNA festgestellt. Eine Steigerung der Relenza-Dosis während der ICU-Tage 13 bis 16 brachte keine Besserung des klinischen Status der Patientin.

Der fortdauernd kritische Gesundheitszustand der Frau mit schwerem Atemversagen bewog die Ärzte am Tag 16, die Behandlung mit dem nicht lizensierten intravenösen Relenza (zur Verfügung gestellt von GlaxoSmithKline) zu starten. Die Zustimmung hierfür wurde durch das Klinikum und die nächsten Angehörigen erteilt. Außerdem wurde die Behandlung mit dem Kortikosteroid Methylprednisolon begonnen, um die Lungenentzündung einzudämmen. Der Zustand der Patientin verbesserte sich innerhalb der nächsten 24 Stunden, die virale Belastung mit H1N1 ging bis zum ICU-Tag 21 um mehr als das hundertfache zurück. Noch am selben Tag wurde die Patientin extubiert, und konnte nach 24 Tagen Intensivstation auf die normale Krankenstation verlegt werden. Auf Grund ihres immunsupprimierten Gesundheitsstatus wurde die Behandlung mit vernebeltem Relenza sicherheitshalber fortgesetzt.

Die Autoren stellen fest: "Da die entzündeten, atelektatischen Lungen der Patientin eine angemessene Medikamentenabsorption möglicherweise behinderten, und die klinische Verbesserung nicht voranschreiten wollte, entschieden wir uns für die Anwendung des intravenösen (nicht lizensiert) Zanamivir. Die hohe Dosierung führte zu effektiven Konzentrationen in den respiratorischen Epithelzellen und wurde gut vertragen. Unsere Patientin erholte sich zusehends ohne Medikamenten-verursachte Nebenwirkungen."

Todesfälle auf Grund der pandemischen H1N1-Grippe sind meist auf schweres Atemversagen oder akutes Atemnotsyndrom (ARDS) zurückzuführen. Die Autoren vermuten, dass die fortbestehende hochaktive H1N1-Replikation eine aktuelle Lungenentzündung vorantreibt und dass in diesem Fall intravenöses Relenza sowie hochdosierte Kortikosteroide zusammen gewirkt haben. Dies könnte jedoch auch kontrovers gesehen werden, außerdem werden hochdosierte Kortikosteroide gemäß den Richtlinien zur Behandlung der Schweinegrippe nicht empfohlen. Die Autoren bemerken: "Kontrollierte Studien fehlen allerdings, während gute Gründe für den Einsatz von Kortikosteroiden bei ARDS sprechen."

Die Forscher folgern: "Obwohl dieser 'Case Report' einen Einzelfall beschreibt, und direkte Ursache und Wirkung nicht bestätigt werden können, ermutigt die Verbesserung des klinischen Gesundheitszustands nach intravenös gegebenem Relenza zur unverzüglichen weiteren Erforschung der alleinigen oder auch mit hochdosiertem Methylprednisolon kombinierten Verabreichung."

Quelle: IM Kidd and others . H1N1 pneumonitis treated with intravenous zanamivir. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)61528-2
 
http://www.thelancet.com
 
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