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THE LANCET   04.09.09
 
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Mode-Diäten ausgerechnet in Schweden

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Ernährungsexperten äußern ihre Verwunderung über die Beteiligung Schwedens an der kontrovers geführten Debatte, ob LCHF-Ernährung (kohlenhydratarm, fettreich) im Land beworben werden sollte. Die Fragestellungen werden in einem aktuellen, von Dr. Jim Mann und Dr. Edwin R. Nye von der University of Otago im neuseeländischen Dunedin verfassten Artikel diskutiert.

In den vergangenen Jahren wurden eine Vielzahl von Diäten geradezu als Modeerscheinung veröffentlicht, darunter die Atkins-Diät mit drastisch reduzierter Kohlenhydrat-Aufnahme. Auch anderen vergleichbaren LCHF-Diäten wurde ein deutlicher Gewichtsverlust ohne nachteilige unerwünschte Nebenwirkungen zugeschrieben. Die Autoren stellen fest: "Die Mehrzahl verntwortlicher Stellen hat sich gegen die Verschreibung dieser LCHF-Diäten ausgesprochen, sie wurden wurden zudem nicht in die Diät-Richtlinien für diabetische Personen und die Bevölkerung übernommen. Allerdings zeigen jüngste Erfahrungen in Schweden das Potenzial überzeugter Anhänger, die mit Unterstützung möglicherweise fehlinformierter Massenmedien die Behörden in einem Maß beeinflussen, dass die nationale öffentliche Gesundheit und die von Einzelpersonen negativ beeinträchtigt werden könnte."

Die Kontroverse nahm ihren Anfang im Jahr 2007, als zwei Diätfachleute der schwedischen Gesundheitsbehörde andeuteten, dass der von der Allgemeinärztin Dr. Annika Dahlqvist empfohlene Rat zu einer LCHF-Diät für diabetische Patienten weder mit wissenschaftlichen Hinweisen noch mit genereller Praxis vereinbar wäre. Allerdings wurde Dr. Dahlqvist durch den Bericht des Diabetologen Dr. Christian Berne entlastet, der davon sprach, dass das Anbieten von LCHF-Diäten eine gewisse wissenschaftliche Basis hätte. Dies jedoch mit einigen Vorbehalten, denn es fehlten langfristige Studien und es bestehe die Notwenigkeit, die Patienten zu überwachen (darunter Messungen der Fette). Die Entlastung Dr. Dahlqvists führte zu Schlagzeilen, wonach die Gesundheitsbehörde eine Kehrtwende vollführt hätte, und Dr. Dahlqvist selbst deutete an, dass ihre Diät nicht nur für Diabetiker geeignet wäre, sondern der gesamten Bevölkerung bessere Gesundheit und Gewichtskontrolle ermöglichen würde.

Als weiterer Aspekt in dieser Geschichte stellt sich heraus, dass eine Expertengruppe, Mitglieder der Gesundheitsbehörde, einen Bericht zu Empfehlungen bezüglich der Ernährung diabetischer Personen herausgegeben haben soll. Zwei dieser Experten jedoch wurden vom neuen geschäftsführenden Generaldirektor aus dem Gremium entlassen, da er in ihren Kontakten über die Swedish Nutrition Foundation (Stiftung der schwedischen Lebensmittelindustrie) hin zur Nahrungsmittelindustrie einen Interessenskonflikt dargestellt sah. Die Stiftung erhält zwar Finanzmittel von der Lebensmittelindustrie, der Weg über ausgewiesene Wissenschaftler jedoch bietet eine unabhängige Beratung der Industrie. Die beiden betroffenen Wissenschaftler Bengt Vessby und Nils-Georg Asp besitzen internationalen Rang und ihre Abberufung rief im verbleibenden Gremium sowie in der wissenschaftlichen Gemeinschaft Empörung hervor. Die Expertengruppe startete ihre Arbeit im September 2008, nach Meinung der Autoren allerdings hätten in der Zwischenzeit 'fehlgeleiteter Enthusiasmus und Berichterstattung offensichtlich über Expertenwissen gesiegt'.

Die größte schwedische Tageszeitung, Aftonbladet, veröffentlichte Einzelheiten des LCHF-Ernährungsprinzips. Ein anonymer Brief, der Dr. Dahlqvists Blogs zitiert, ist an alle Schulen, Vorschulen und Tagesstätten des Landes verschickt worden. Er befürwortet diesen Ernährungsansatz, 'damit die Gehirne unserer Kinder gesund bleiben'. Die Autoren bemerken: "Obwohl die schwedische Nahrungsmittelbehörde eine Liste von 72 Artikeln veröffentlicht hat, die andeuten, dass fettreiche Diäten nachteilig seien, verglichen mit 8 Artikeln, die derartige Diäten befürworten, bleibt die Begeisterung für diese fettreichen Diäten bestehen. Eines der gängigen Bücher Dr. Dahlqvists zum Thema fettreiche Diäten belegte den ersten Platz in der Non-Fiction-Bestseller-Liste Schwedens."

Die Autoren halten es für möglich, dass die schwedische Öffentlichkeit diese Serie von Ereignissen nur als weiteres Beispiel dafür interpretiert, dass Experten nicht zur einer Meinung kommen können, und dass die Bevölkerung daher keinen Anlass sieht, Änderungen in der Ernährung vorzunehmen, die mit einem Nutzen für klinische Praxis und öffentliche Gesundheit verknüpft sind (d.h. fettarme Diäten). Die Forscher stellen fest: "Es ist außerdem voller Ironie, dass dieser Streit in einem Land stattfindet, dass mit als erstes herzbezogene Rehabilitation und vorbeugende Kardiologie einführte, und eines der wenigen ist, dass von einem Rückgang der Rate fettleibiger Kinder berichten kann."

Die Forscher folgern: “Hieraus entstehen einige Lektionen für internationale Agenturen, Berufsorganisationen, Regierungsbehörden und Ämter. Einer der wichtigsten Aspekte ist offensichtlich die Notwendigkeit international akzeptierter Kriterien für Ernährungsrichtlinien, die auf Hinweisen beruhen, so, wie sie auch für evidenzbasierte Medizin bestehen.“

Quelle: J Mann and others. Fad diets in Sweden, of all places. Lancet 2009; 374: 767
 
http://www.thelancet.com
 
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