Deutsche Website   

Logo LancetAktuellÜber LancetAbonnementKontaktLeere Leiste


English Site:

Home

Register

E-Toc

Subscribe



In Kooperation mit www.wissenschaft-online.de


Übersicht

THE LANCET   21.08.09
 
- Druckversion

----------

Gewalt gegen afghanische Kinder auch jenseits des Kriegsgeschehens

----------

Afghanische Kinder sind fortwährender Gewalt ausgesetzt, die nicht nur auf Kriegshandlungen beschränkt ist, folgert ein 'Online First' veröffentlichter Artikel. Die Studie betont den Wert schulischer Initiativen mit Blick auf die psychische Verfassung von Kindern wie auch die Wichtigkeit, Traumata im Kontext alltäglicher Formen von Leiden, Gewalt und Not zu verstehen. Der Artikel beruht auf vom Wellcome Trust finanzierten Forschungen und wurde von Professor Catherine Panter-Brick von der Durham University sowie Kollegen verfasst.

Studien in Afghanistan zeigen zwar erhebliche psychische Probleme bei Erwachsenen an, auf Kinder bezogene Hinweise sind jedoch spärlich. Die Autoren starteten eine Erhebung unter den jungen Menschen (11 bis 16 Jahre) des Landes, um psychische Gesundheit, traumatische Erfahrungen und soziales Verhalten zu untersuchen. Die Studie beinhaltete Befragungen von 1011 Kindern, 1011 Pflegekräften und 358 Lehrkräften. Alle wurden per Zufallsverfahren aus 25 öffentlichen Schulen in drei bewusst gewählten Gebieten in zentral und nördlich gelegenen Regionen gesammelt (Kabul, Bamyan, and Mazar-e-Sharif). Mögliche psychische Störungen und soziales Funktionieren der Schüler wie auch die psychische Verfassung der Pflegekräfte wurden bewertet. Risikofaktoren der kindlichen psychischen Gesundheit und Berichte traumatischer Erfahrungen wurden ebenfalls analysiert.

Die Forscher entdeckten einen Zusammenhang zwischen allen kindlichen psychischen Ergebnisparametern und traumatischen Erlebnissen und der psychischen Verfassung der Pflegekräfte gleichermaßen. Etwa 22 Prozent der Kinder erfüllten die Kriterien für eine mögliche psychische Störung, wobei Mädchen etwa zweieinhalb mal häufiger als Jungen betroffen waren. Kinder, die fünf oder mehr traumatische Ereignisse erleben mussten, hatten ein zweieinhalb Mal größeres Risiko einer psychischen Störung sowie eine dreifach höhere Wahrscheinlichkeit, posttraumatischen Stress zu erleiden als jene, die vier oder weniger derartige Erlebnisse hatten.

Die psychische Verfassung der Pflegekräfte korrelierte mit dem Wohlbefinden der von ihnen betreuten Kinder. Es fand sich eine 10-prozentige Steigerung in der Wahrscheinlichkeit einer kindlichen psychischen Störung für jedes berichtete Symptom einer psychischen Notlage seitens der Pflegekräfte. In Kabul lebende Kinder hatten eine größere Wahrscheinlichkeit psychischer Störungen oder posttraumatischen Stresses als jene, die in Bamyan oder Mazar-e-Sharif leben. Die Studie liefert außerdem Hinweise auf seelische Kraft und Ausdauer der afghanischen Kinder, wenn sie mit Gewalt und alltäglicher Not konfrontiert werden. Schüler, Pflegekräfte und Kinder berichteten von vielen Symptomen psychischer Probleme, bewerteten ihr soziales Funktionieren jedoch positiv.

Die Autoren stellen fest: "Die Politik der afghanischen Regierung hat die Notwendigkeit eines Eingreifens der öffentlichen Gesundheit erkannt, um Traumata, psychische Störungen und psychologische Not in der allgemeinen Bevölkerung zu mildern. Es gibt jedoch einen erheblichen Mangel an qualifizierten Psychiatern, Grenzen der gegenwärtig bereit gestellten grundlegenden gesundheitlichen und sozialen Dienste sowie systematische Behinderungen bei der Einrichtung wirkungsvoller, auf die Jugend bezogener Programme."

Die Forscher folgern: "In Afghanistan gibt es ein breites Spektrum an Gewalt, vom bewaffneten Aufstand bis zum familiären Konflikt, das unmittelbare Pein und nachhaltiges Leiden hervor ruft. Unsere Daten deuten an, dass sich alltägliche wie auch militärische Gewalt in der Rückerinnerung traumatischer Erlebnisse im Leben afghanischer Kinder gleichermaßen auswirken. Unsere Studie betont den Wert schulischer Initiativen, die sich um die psychische Gesundheit der Kinder bemühen, wie auch die Wichtigkeit, Traumata im Kontext alltäglicher Formen von Leiden, Gewalt und Not zu verstehen."

In einem Begleitkommentar warnen Dr. Andrew Dawes von der südafrikanischen Universität Kapstadt und der Universität Oxford sowie Dr. Alan J. Flisher von der Universität Kapstadt und dem Red Cross War Memorial Children's Hospital, dass Interventionen an Schulen auf Grund der Belastungen, unter denen das afghanische Bildungssystem arbeiten muss, nicht durchführbar sein könnten - auf Grund mangelnder Ressourcen könnten den Lehrern schlicht Zeit und emotionale Kraft fehlen, um die psychische Gesundheit der Kinder zu überwachen. Die Kommentatoren folgern, dass es vermehrte Investitionen dieser Art in verschiedenen Milieus brauche, und dass Interventionen traditionelle Systeme in Anspruch nehmen müssten, um so viele moderne Methoden wie irgend möglich zu unterstützen.

Quelle: C Panter-Brick and others. Violence, suffering, and mental health in Afghanistan: a school-based survey. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)61080-1
 
http://www.thelancet.com
 
----------

- Als E-Mail versenden



Suche Oben
Suche links
 Schnellsuche*
 
 * in den Pressemeldungen
Suche rechts
Suche unten