14.08.09
Nichtinvasive Beatmung nach Extubation verringert Sterblichkeit
Patienten mit chronischen Atemwegsbeschwerden stehen unter dem erhöhten Risiko eines respiratorischen Versagens (und des unmittelbaren Todes) nachdem ihnen der die Atmung unterstützende Respirator entfernt wurde (Extubation). Ein vorab 'Online First' veröffentlichter Artikel folgert, dass diese Patienten mit einer nichtinvasiven Beatmung nach der Extubation ein geringeres Risiko für Tod und Atemversagen hätten als die mit einer herkömmlichen Sauerstoff-Therapie versorgten Patienten. Der Artikel wurde von Dr. Miquel Ferrer von der Hospital Clinic de Barcelona (Universität Barcelona) und Kollegen verfasst.
In dieser randomisierten kontrollierten Studie untersuchten die Autoren spezifisch Patienten mit chronischen Atemwegsstörungen, die vor der Extubation hyperkapnische Symptome zeigten (hohe Kohlendioxidkonzentrationen im Blut). Bereits in früheren Studien wurde dargelegt, dass diese Patientengruppe aus einer nichtinvasiven Beatmung größten Nutzen ziehen könnte. Die Autoren erfassten 106 künstlich beatmete Patienten mit chronischen Atemwegsstörungen und Hyperkapnie. Nach der Extubation wurden die Patienten entweder einer nichtinvasiven Beatmung für die Dauer von 24 Stunden (54 Patienten) oder einer herkömmlichen Sauerstoff-Therapie (52) unterzogen. Primärer Endpunkt der Studie war das Vermeiden eines Atmungsversagens innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Extubation.
Die Forscher stellten fest, dass die respiratorische Insuffizienz nach der Extubation bei den per nichtinvasiver Beatmung behandelten Patienten seltener auftrat (15 Prozent) als bei den herkömmlich per Sauerstoff-Therapie Versorgten (48 Prozent). Unter den Patienten mit Atmungsversagen verhinderte die nichtinvasive Beatmung als so genannte Rescue-Therapie eine Reintubation bei 17 von 27 Patienten. Die nichtinvasive Beatmung war mit einem um 83 Prozent verringerten Risiko einer respiratorischen Insuffizienz nach der Extubation verknüpft. Dieser Rückgang war zudem von anderen potenziell störenden Faktoren unabhängig. Die Sterblichkeit nach 90 Tagen war unter den nichtinvasiv beatmeten Patienten geringer (11 Prozent) als bei den herkömmlich mit Sauerstoff behandelten Patienten (31 Prozent).
Die Autoren folgern: "Die frühzeitige nichtinvasive Beatmung nach Extubation verminderte bei Patienten mit Hyperkapnie während eines Spontanatmungsversuchs das Risiko einer respiratorischen Insuffizienz und verringerte die Sterblichkeit nach 90 Tagen. Die routinemäßige Umsetzung dieser Strategie in das Behandlungsschema künstlich beatmeter Patienten mit chronischen Atmungsstörungen erscheint angebracht."
In einem Begleitkommentar bemerkt Dr. Peter Calverley vom University Hospital Aintree in Liverpool: "Hoffentlich werden Daten wie diese unsere Auffassungen ändern, wann und wie offensivere Behandlungen jenen Patienten mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) angeboten werden, die diese Art der Hilfe weiterhin benötigen."
Quelle: M Ferrer and others. Non-invasive ventilation after extubation in hypercapnic patients with chronic respiratory disorders: randomised controlled trial. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)61038-2
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