07.08.09
Alternative Autopsie bei verstorbenen Feten per Hochfrequenz-Magnetresonanztomografie
Die Hochfrequenz-Magnetresonanztomografie (MRT) des gesamten Körpers ist eine zuverlässige Möglichkeit der Untersuchung verstorbener Feten. Sie könnte eine weniger invasive Alternative zur herkömmlichen Autopsie darstellen, wie ein aktueller Artikel beschreibt.
Die genaue Untersuchung nach dem Tod eines Fetus kann wichtige Informationen darüber liefern, warum er nicht überlebte, und außerdem dabei helfen, die Genauigkeit der diagnostischen in-Utero-Methoden sowie die Risiken zukünftiger Schwangerschaften zu bewerten. Diese Informationen werden zumeist aus Autopsien gewonnen. Im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts jedoch hat die Zahl der Eltern, die einer Autopsie zustimmten, erheblich abgenommen. Insbesondere Ereignisse wie Alder Hey haben in der Öffentlichkeit Zweifel an Autopsien aufkommen lassen. Dieser Umstand hat die Forschung angeregt, an weniger invasiven Obduktionsmethoden zu arbeiten.
Von der herkömmlichen MRT mit 1,5 Tesla Feldstärke wurde erwartet, die realistischsten Bild-Alternativen zu liefern, sie erreichte bei kleinen Feten jedoch nur unzureichende Aufnahmequalitäten. Im Gegensatz hierzu liefert die Hochfrequenz-MRT (9,4 Tesla) des gesamten Körpers gute Aufnahmen und zeigte bereits viel versprechende Ergebnisse bei kleinen Tieren. Am Menschen kam die Technik bislang nicht zum Einsatz.
Sudhin Thayyil vom UCL Institute of Child Health und dem Great Ormond Street Hospital sowie Kollegen untersuchten die Durchführbarkeit der Hochfrequenz-Magnetresonanztomografie und verglichen den diagnostischen Nutzen der Hochfrequenz-MRT mit der herkömmlichen MRT und der traditionellen invasiven Autopsie bei kleinen menschlichen Feten.
18 Feten, die nur weniger als 22 Schwangerschaftswochen lebten, wurden vor der traditionellen invasiven Obduktion per Ganzkörper-MRT mit jeweils 9,4 Tesla und 1,5 Tesla Feldstärke untersucht. Die Aufnahmen der MRTs wurden in einem Blindverfahren mit den Ergebnissen der Obduktion verglichen und bezüglich diagnostischer Genauigkeit und Bildqualität von einem Team spezialisierter pädiatrischer Radiologen bewertet.
Insgesamt betrachtet konnte die herkömmliche invasive Obduktion im Vergleich zur Hochfrequenz-MRT in keiner der Untersuchungen eine überlegene diagnostische Genauigkeit liefern. In einigen Fällen erbrachte die Hochfrequenz-MRT mehr Information als die invasive Autopsie.
Örtliche Auflösung, Gewebe-Kontrast und Bildqualität bezüglich aller Organsysteme fielen in der Hochfrequenz-MRT weit besser aus als in der herkömmlichen MRT. Zudem wurden alle strukturellen Anomalien, die per traditioneller Obduktion und interner Untersuchung der Eingeweide beschrieben wurden, auch mit der Hochfrequenz-MRT entdeckt. Die herkömmliche MRT dagegen wurde in 78 Prozent der Fälle als diagnostisch unzureichend bewertet.
Die Autoren konstatieren: "Zukünftig könnten spezialisierte Pathologen in der Lage sein, Eltern einen zweistufigen Obduktionsprozess anzubieten. Zunächst wird eine MRT bei 9,4 Tesla Feldstärke durchgeführt, hinzu kommen die Informationen aller anderen nichtinvasiven Tests. Anschließend folgt je nach Bedarf eine zielgerichtete interne Untersuchung des Körpers (minimalinvasive Autopsie). Alternativ kann diese Form der Autopsie jenen Eltern angeboten werden, die eine konventionelle Obduktion ablehnen. Ein derartiger Ansatz könnte die Autopsieraten anheben und in Großbritannien die Forschung im Bereich der Obduktion wieder anregen."
Allerdings warnen die Autoren, dass die Ergebnisse nur vorläufige Daten seien und weitere Hinweise aus großen prospektiven Studien notwendig wären, bevor eine minimalinvasive Autopsie in klinischer Praxis routinemäßig angeboten werden könnte.
In einem begleitenden Kommentar beleuchten Elspeth Whitby von der University of Sheffield und Marta Cohen vom Sheffield Children’s Hospital einige Probleme aus der Praxis, die ihrer Meinung nach gelöst werden müssen, wenn MRTs in der Obduktion zukünftig eine wesentliche Rolle spielen sollen. Diese Probleme sind der eingeschränkte Zugang zu Magnetresonanztomografen - einer in Großbritannien mittlerweile überbeanspruchten Dienstleistung -, wie auch die Verfügbarkeit spezialisierten Personals, das diese Scans durchführen und die Aufnahmen interpretieren kann, während es weltweit bereits einen Mangel an Radiologen gibt.
Quelle: S Thayyil and others. Post-mortem examination of human fetuses: a comparison of whole-body high-field MRI at 9·4 T with conventional MRI and invasive autopsy. Lancet 2009; 374: 467
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