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Viktor Juschtschenkos Dioxin-Vergiftung: Methoden zur routinemäßigen Analyse der Metaboliten erforderlich Ein vorab 'Online First' veröffentlichter Artikel verfolgt die wissenschaftlichen Aspekte hinter der im Jahr 2004 erfolgten Vergiftung des ukrainischen Staatspräsidenten Viktor Juschtschenko. Der Artikel folgert, dass routinemäßige Analysetechniken notwendig wären, um auf Stoffwechselprodukte des Tetrachlordibenzodioxins (TCDD, das verwendete Gift – eine Variante des Dioxins) testen zu können, und um damit eine angemessene Behandlung zu ermöglichen. Der Artikel wurde von Professor Jean-Hilaire Saurat vom Schweizerischen Zentrum für Angewandte Humantoxikologie (SCAHT) und dem Genfer Universitätskrankenhaus sowie Kollegen verfasst. Im späten Dezember 2004 litt Viktor Juschtschenko an einer TCDD-Vergiftung, wobei sein Blut Konzentrationen aufwies, die um mehr als das 50 000-fache über denen der allgemeinen Bevölkerung lagen. Das medizinische Team identifizierte das TCDD und dessen Metaboliten und überwachte deren Konzentrationen über drei Jahre anhand verschiedenster chemischer Techniken. Hierzu wurden Proben von Blut, Fettgewebe, Stuhl, Haut, Urin und Schweiß analysiert. Etwa 60 Prozent des während der drei Jahre eliminierten Dioxins hatten noch in ursprünglicher Form vorgelegen, ohne metabolisiert worden zu sein. Zwei Stoffwechselprodukte des TCDD wurden in Stuhl, Blut und Urin nachgewiesen. Der Stuhl enthielt die höchsten Konzentrationen der TCDD-Metaboliten und war die wichtigste Ausscheidungsroute. Zusammengefasst führten die verschiedenen Wege der Ausscheidung des TCDD und seiner Stoffwechselprodukte zu einer 98-prozentigen Entfernung des Gifts aus dem Körper. Die Halbwertszeit (Zeit, nach der die Hälfte der Moleküle abgebaut war) des TCDD in Juschtschenkos Körper betrug 15 Monate. Die Autoren stellen fest, dass von 17 bei Juschtschenko analysierten Dioxintypen nur die des TCDD höher als in der Allgemeinbevölkerung lagen, was auf eine akute Vergiftung mit reinem TCDD hinweist. Sie bemerken daher: "Die höchsten Werte der Metaboliten wurden im Stuhl nachgewiesen, während nur geringe Spuren im Blutserum gefunden wurden. Das Verhältnis Metaboliten-zu-TCDD lag im Blutserum um das 50-fache niedriger als im Stuhl. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Stoffwechselprodukte wohl kaum mit dem TCDD verschluckt wurden, und dass TCDD vermutlich langsam über Leber und Haut abgebaut wird." Die Autoren fügen hinzu, dass wahrscheinlich hohe TCDD-Konzentrationen notwendig sind, um metabolisierende Enzyme in der Haut zu aktivieren. Dies könnte erklären, warum die Halbwertszeit des TCDD mit dem Grad der Vergiftung variiert. Die Forscher folgern: "Obwohl bislang nicht üblich, sollten die Konzentrationen des TCDD und seiner Metaboliten in Gewebe, Stuhl und Körperflüssigkeiten bei Patienten mit schweren Dioxinvergiftungen überwacht werden, da sie für Behandlungsstrategie und die Zeit der Nachversorgung als Indikatoren dienen können. Die Vergiftung von Viktor Juschtschenko mit TCDD wandelte sich von einer Pressemeldung hin zu einem medizinischen Modellfall. Dieses Modell einer TCDD-Vergiftung zeigt, dass beim Menschen Methoden zur routinemäßigen Überwachung der Dioxinmetaboliten entwickelt werden müssen. Die Hauptziele der Erforschung der TCDD-Vergiftung im Zeitalter der Metabolitenanalyse sollte die Untersuchung jener Faktoren sein, die am Abbau dieses Gifts beteiligt sind." Professor Saurat ergänzt: "Im außergewöhnlichen Fall des Viktor Juschtschenko ist dies der erste medizinische Bericht in einer von Experten begutachteten Fachzeitschrift. Das Ärzteteam wurde im späten Dezember 2004 mit einem Patienten konfrontiert, der Anzeichen einer schweren Dioxinvergiftung zeigte. Um diese schwere und schmerzvolle Erkrankung zu meistern, für die keine spezifische Behandlung zur Verfügung stand, entwickelten wir eine Strategie, die auf energischer Überwachung des Gifts, seiner Natur, seiner Verteilung und seiner Beseitigung beruhte. Dies ist Gegenstand des vorliegenden Berichts. Außerdem suchten wir auf Basis der molekularen Medizin Lösungen zur Behandlung der verschiedenen beteiligten Organe – höchstwahrscheinlich Gegenstand eines folgenden Artikels." In einem begleitenden Kommentar stellt Professor Martin McKee von der London School of Hygiene and Tropical Medicine fest: "Wer also vergiftete Viktor Juschtschenko? Die mutmaßlichen Täter sind jene Mitglieder des Geheimdienstes, die am Abendessen unmittelbar vor seiner Erkrankung teilgenommen haben. Allerdings haben sie Juschtschenko während der Proteste im Dezember insgeheim unterstützt, und sind somit einem geplanten harten Vorgehen der Truppen des Innenministeriums zuvor gekommen. Zum Nachteil für jene, die eine Antwort suchen, gibt es inner- und außerhalb der Ukraine viele Personen, die ein Motiv hatten. Wir werden es womöglich nie erfahren, und wäre Juschtschenko zu jener Zeit gestorben, und das wäre durchaus möglich gewesen, so hätten wir wahrscheinlich nie erfahren, dass er vergiftet wurde." Quelle: O Sorg and others. 2,3,7,8-tetrachlorodibenzo-p-dioxin (TCDD) poisoning in Victor Yushchenko: identification and measurement of TCDD metabolites. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)60912-0 http://www.thelancet.com |
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