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Übersicht
HPV-Impfstoff bietet entsprechenden Zielgruppen wirksamen Schutz Die endgültige Auswertung der PATRICIA-Studie zeigt, dass der HPV-16/18 AS04-adjuvierte Impfstoff (GlaxoSmithKline) effektiv gegen präkanzeröse Zervixläsionen wirkt, die zu Gebärmutterhalskrebs führen können. Er schützt außerdem zusätzlich vor anderen krebsauslösenden HPV-Typen, die eng mit HPV-16/18 verwandt sind. Darüber hinaus erweist er sich in jenen Kohorten als wirksam, die für eine allgemeine Massenimpfung oder Catch-up-Programme in Frage kämen. Die Ergebnisse werden in einem online vorab veröffentlichten Artikel von Dr. Jorma Paavonen von der Universität Helsinki berichtet. Die Studie untersuchte 15- bis 25-jährige Frauen, die in den Monaten 0, 1 und 6 geimpft wurden. Die Analysen wurden für verschiedene Gruppen durchgeführt: in der ATP-Kohorte ("according-to-protocol"), also jenen Frauen, die alle drei Impfdosen erhalten hatten, zu Beginn keine oder nur geringfügige Veränderungen im Pap-Test aufwiesen, dem Protokoll entsprachen und für den primären Endpunkt auswertbar waren (8093 Geimpfte, 8069 Kontrollen); in der gesamten geimpften Kohorte (TVC, total vaccinated cohort; alle Frauen, die mindestens eine Impfstoffdosis erhalten hatten, unabhängig von ihrem Ausgangsstatus hinsichtlich HPV - damit die junge, sexuell aktive Population repräsentierend; 9319 Geimpfte, 9325 Kontrollen) sowie in der TVC-naiven Kohorte (keine Anzeichen für eine HPV-Infektion zu Beginn und damit noch nicht sexuell aktive Frauen repräsentierend; 5822 Geimpfte, 5819 Kontrolle). Der primäre Endpunkt war die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen höhergradige intraepitheliale Neoplasien des Gebärmutterhalses (CIN2+), da diese präkanzerösen Läsionen zu Gebärmutterhalskrebs führen können. Im Mittel erfolgte die Nachuntersuchung knapp drei Jahre nach der letzten Dosis. Die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen durch HPV-16/18 CIN2+ betrug in der primären Analyse 93 Prozent und 98 Prozent in einer Analyse, in denen der HPV-Typ in Läsionen, die von mehreren onkogenen Typen infiziert waren, festgestellt wurde. Bei der TVC lag die Wirksamkeit der Vakzine gegen CIN2+ unabhängig vom in den Läsionen entdeckten HPV-Typ bei 30 Prozent und bei den TVC-naiven bei 70 Prozent. Entsprechende Werte für CIN3+ betrugen 33 Prozent für TVC und 87 Prozent für TVC-naive. Der Impfstoff erwies sich auch gegen andere onkogene HPV-Typen als wirksam, insbesondere gegen HPV-31 (verwandt mit HPV-16) und HPV-45 (verwandt mit HPV-18). Insgesamt wurde die Wirksamkeit des Impfstoffs mit 37 Prozent bis 54 Prozent gegen 12 weitere onkogene HPV-Typen berechnet. Durch diesen Kreuzreaktionsschutz könnte sich der impfbedingte Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs um weitere 11 bis 16 Prozent erhöhen. "Die Verringerung in der Anzahl von Läsionen in den TVC und TVC-naiven Kohorten wurde von einer signifikanten proportionalen Reduktion in der Anzahl an Überweisungen zur Kolposkopie und Zervixexzisionen begleitet. Letzteres könnte auch zu einer Verringerung von Frühgeburten und anderen Schwangerschaftskomplikationen führen, da sie mit der Behandlung von CIN zusammen hängen können", erklären die Autoren. Die Forscher nennen auch die Stärken und Schwächen der Studie. Zu den Stärken gehört der lange Untersuchungszeitraum und ihr Umfang sowie die Diversität der Teilnehmer, zu denen eine umfassend repräsentative Gruppe von Frauen aus Nordamerika, Lateinamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum zählte. Afrika und einige andere Regionen waren allerdings nicht beteiligt, doch haben seitdem auch dort Studien begonnen. Zu den Beschränkungen zählt, dass die wahre Zahl von CIN2+-Läsionen durch nicht im Impfstoff enthaltenen HPV-Typen womöglich unterschätzt wurde, da sich diese langsamer entwickeln als von HPV-16/18 verursachte. Die Autoren schließen: "Der HPV-16/18 AS04-adjuvierte Impfstoff zeigte gegen CIN2+ durch HPV-16/18 als auch andere onkogene HPV-Typen eine hohe Wirksamkeit und in allen Kohorten, die für allgemeine Massenimpfungen und Catch-up-Programme in Frage kämen, einen substanziellen Effekt. Obwohl die Bedeutung von kontinuierlichen Pap-Tests und Tests auf HPV in geimpften und nicht geimpften Frauen betont werden muss, so hat die HPV-Impfung doch das Potential, das Auftreten von Zervixkarzinomen und Krebsvorstufen zu reduzieren. Das gilt auch für Überweisungen zur Kolposkopie und Zervixexzisionen." In einem begleitenden Kommentar äußern Dr. Karin B. Michels von der Harvard Medical School in Boston und Dr. Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg: "Gegenwärtig gelten junge Mädchen und Frauen von 11 bis 26 Jahren vor der ersten sexuellen Aktivität als Targets für die HPV-Impfung. Auch wenn eine gute Durchführung des Programms in einigen Jahrzehnten das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs reduzieren wird, so reicht diese Teilgruppe der anfälligen Bevölkerung nicht aus, um ein Ausbreiten der Viren zu verhindern. Die einzige Methode, das Virus zu stoppen, ist auch die andere Hälfte der sexuell aktiven Bevölkerung zu impfen: Jungen und Männer." Sie schließen: "Seit der Erfindung der Verhütung haben Frauen die Verantwortung dafür übernommen. Das Ziel, sexuell übertragbare krebserregende Viren auszurotten, kann dagegen von Frauen und Männern gemeinsam gemeistert und könnte in ein paar Jahrzehnten erreicht werden." Quelle: Paavonen, J. et al.. Efficacy of human papillomavirus (HPV)-16/18 AS04-adjuvanted vaccine against cervical infection and precancer caused by oncogenic HPV types (PATRICIA): final analysis of a double-blind, randomised study in young women. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)61248-4 http://www.thelancet.com |
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