03.07.09
Ketamin geeignetes Sedativum beim Intubieren von Notfall-Patienten
Notfall-Patienten müssen häufig intubiert werden, um ihre Atmung während der Behandlung kontrollieren zu können. Ketamin ist eine sichere und wertvolle Alternative zu Etomidat, das herkömmlich als Sedativum während des Intubierens eingesetzt wird. Dies ist eine der Schlussfolgerungen eines online vorab veröffentlichten Artikels von Professor Frederic Adnet von den Hôpitaux de Paris und Kollegen.
Frühere Studien hatten vermuten lassen, dass Etomidat mit einer erhöhten Mortalität bei Patienten mit Sepsis einhergeht. In dieser randomisierten kontrollierten Studie wurden 655 Patienten, die eine Intubierung benötigten, aus 12 Notaufnahmen und 65 Intensivstationen in Frankreich eingeschlossen. Die Patienten erhielten entweder 0,3 Milligramm pro Kilogramm Etomidat (328 Patienten) oder 3 mg/kg Ketamin (327). Der Endpunkt der Studie war die maximale Punktzahl des SOFA-Scores (sequential organ failure assessment). Patienten, die vor Erreichen des Krankenhauses verstarben oder innerhalb von drei Tagen von der Intensivstation entlassen wurden, wurden ausgeschlossen.
Insgesamt konnten so 234 Patienten der Etomidat-Gruppe und 235 der Ketamin-Gruppe analysiert werden. Der mittlere SOFA-Score der beiden Gruppen zeigte keinen signifikanten Unterschied (10,3 für Etomidat, 9,6 für Ketamin), ebenso wenig wie die Schwierigkeit der Intubation. Allerdings trat bei 86 der Etomidat-Empfängern eine adrenale Unterfunktion auf - eine bekannte Nebenwirkung von Etomidat -, gegenüber 46 Prozent bei den Ketamin-Behandelten. Die Autoren vermuten, dass diese Fälle in der Ketamin-Gruppe auf andere Ursachen zurückgehen als das gewählte Sedativum.
Sie schließen daher: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Ketamin bei endotrachealer Intubation von Notfall-Patienten eine sichere und wertvolle Alternative zu Etomidat darstellt und daher bei Sepsis-Fällen in Betracht gezogen werden sollte."
In einem begleitenden Kommentar äußern Dr. Volker Wenzel und Dr. Karl H. Lindner von der Universitätsklinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin in Innsbruck: "Angesichts der heutigen Daten müssen wir vielleicht hinterfragen, ob die erfolgreiche Notfall-Intubation von Patienten nicht nur von handwerklichem Geschick und klinischer Erfahrung abhängt, sondern auch von pharmakologischem Wissen."
Wenzel und Lindner fügen hinzu, dass eine Verschärfung der EU-Richtlinien Studien behindern, die sich mit aus kommerzieller Sicht uninteressanten Erkrankungen beschäftigen wie multiplem Trauma, einer Haupttodesursache junger Erwachsener. Sie erklären: "Unser Schicksal wäre dasselbe wie das der Ärzte in Entwicklungsländern, die viele Fragen zur Optimierung ihrer Gesundheitsversorgung haben, aber keine klinischen Studien durchführen können, um Antworten zu finden."
Quelle: P Jabre and others. Etomidate versus ketamine for rapid sequence intubation in acutely ill patients: a multicentre randomised controlled trial. Lancet 2009; 374: 10.1016/S0140-6736(09)60949-1
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